Faktencheck Windenergie: Fünf Fragen und Antworten zur Gefahr durch Windräder

Auf die Frage »Sollen in unserer Gemeinde Windenergieanlagen gebaut werden?« melden sich schnell Befürworter und Gegner mit zahlreichen Hoffnungen und Sorgen zu Wort. Die einen erwarten Klimaschutz, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Vorteile, die anderen befürchten Eingriffe in die Natur, Störungen durch Bau und Betrieb oder gar Gefahren für die Gesundheit. Wir beantworten einige häufige Fragen.
Stimmt es, dass Windenergieanlagen Infraschall verursachen, und macht dieser dann krank?
Windräder erzeugen Infraschall. Dabei handelt es sich um sehr niedrige Frequenzen unterhalb des Bereichs, den Menschen hören können. Das ist erst einmal nicht überraschend: Viele technische Geräte senden Infraschall aus, beispielsweise Waschmaschinen oder fahrende Autos. Immer wieder wird darüber diskutiert, ob sich der Infraschall von Windenergieanlagen gesundheitlich auf die Menschen auswirkt, die im Umkreis leben.
Kritiker solcher Anlagen führen Erhebungen an, laut denen das der Fall sein soll. Zuletzt erregte eine Untersuchung Aufmerksamkeit, die im April 2026 auf einem Medizinkongress als Poster veröffentlicht wurde. Dabei verglichen die beiden Autoren vier Gemeinden im Kreis Paderborn miteinander – zwei mit wenigen Windenergieanlagen, zwei mit vielen. Dort, wo mehr Anlagen stehen, gibt es mehr Menschen mit Herzerkrankungen.
Doch es ist schwierig, aus solchen Beobachtungen auf ursächliche Zusammenhänge zu schließen. Zu den beobachteten Variablen – Erkrankungen und Windradanzahl – können weitere, unerkannte Störfaktoren kommen, die das Ergebnis beeinflussen, etwa Unterschiede bei den Versorgungsstrukturen. Hat man alle identifiziert und herausgerechnet? Handelt es sich um einen Zufall? Finden sich ähnliche Zusammenhänge noch in anderen Regionen? Eine Ursache-Wirkungs-Beziehung kann so ein Einzelbefund nicht herstellen. Er ist zunächst nicht mehr als ein Anlass für eingehendere Untersuchungen.
- Stimmt es, dass Windenergieanlagen Infraschall verursachen, und macht dieser dann krank?
- Stimmt es, dass die Rotorblätter von Windenergieanlagen giftige Mikroplastikpartikel freisetzen?
- Stimmt es, dass Windenergieanlagen klimaschädliche Gase enthalten?
- Stimmt es, dass Rotorblätter nicht recycelt werden können und stattdessen vergraben werden?
- Stimmt es, dass der Beton der Fundamente im Waldboden bleibt und die Stelle anschließend für immer kahl sein wird?
Solch eine umfangreiche, davon unabhängige Erhebung ist dann im Mai 2026 erschienen. Hierbei hat ein deutsch-amerikanisches Forschertrio über einen Zeitraum von zwölf Jahren Gesundheitsdaten – etwa zu Schlafstörungen oder Kopfschmerzen – von mehr als 120 000 Haushalten in den USA mit den Standortdaten von Windenergieanlagen verknüpft. Insbesondere ließ sich so jeder Haushalt mit sich selbst vergleichen – vor der Installation eines nahe gelegenen Windrads und danach. Wie die Autoren schreiben, zeigen sich keine systematischen Zusammenhänge zu größeren gesundheitlichen Problemen; nur geringe Effekte lassen sich statistisch nicht ausschließen. Zu ähnlichen Schlüssen kam bereits eine Untersuchung aus den Niederlanden von 2025, bei der über einen Zeitraum von zehn Jahren Daten von mehr als 350 000 Einwohnern ausgewertet wurden, die in der Nähe von Windenergieanlagen leben.
Nicht nur diese umfassenderen Studien sprechen gegen Gesundheitsgefahren durch Infraschall von Windrädern. Bereits wegen der zugrunde liegenden Physik ist es unplausibel, dass die Anlagen sich stärker oder anders auswirken als zahlreiche weitere Infraschallquellen, denen wir ständig ausgesetzt sind.
Schall breitet sich in der Luft in alle Richtungen aus und sorgt dabei für regelmäßige Druckschwankungen in der Umgebung – je weiter weg die Quelle ist, desto weniger intensiv nehmen wir den Schall wahr. Im Bereich von etwa 20 bis 20 000 Schwingungen pro Sekunde können wir ihn hören, darunter ist es Infraschall, darüber Ultraschall. Bei Windenergieanlagen entsteht Infraschall mit jedem Mal, wenn das Rotorblatt am Mast vorbeizieht.
Wie sich der Schall auf uns auswirkt und als wie laut wir ihn empfinden, hängt davon ab, wie stark die Druckschwankungen sind. Das lässt sich im Fall von Windenergieanlagen messen und mit anderen Quellen vergleichen, technischen wie natürlichen.
Jedes Mal, wenn ein Rotorblatt eines Windrads am Turm vorbeizieht, entsteht ein Druckstoß, der sich etwa kugelförmig in alle Richtungen in der Luft ausbreitet (hier illustriert). Das passiert typischerweise etwa einmal pro Sekunde. Diese periodische Druckänderung ist eine Infraschallwelle mit einer Wellenlänge von mehreren Hundert Metern.
Bereits in einem Abstand von wenigen Hundert Metern zu einem Windrad sinkt die Druckänderung durch dessen Infraschall unter einen Pascal (die Standardeinheit für Druck). In der Atmosphäre beträgt schon der normale vertikale Luftdruckgradient rund zehn Pascal pro Meter. Das heißt übersetzt: Wer bei einem Waldspaziergang mit jedem Schritt ein paar Zentimeter auf und ab wippt, setzt seinen Körper bereits durchs reine Gehen höheren Druckunterschieden aus, als vom Windrad auf dem Hügel nebenan in Form von Infraschall ankommt.
Stimmt es, dass die Rotorblätter von Windenergieanlagen giftige Mikroplastikpartikel freisetzen?
Es ist richtig, dass die Oberflächen der Rotorblätter mit der Zeit erodieren und diese Abriebpartikel in die Umwelt gelangen. Allerdings sind die Mengen vernachlässigbar klein – und vermutlich nicht so giftig, wie von Windkraftgegnern behauptet wird. In einer von unabhängigen Experten überprüften Studie aus dem Jahr 2024 kam ein Forschungsteam zu dem Ergebnis, dass pro Rotorblatt und Jahr etwa 30 bis 540 Gramm Mikroplastik in die Umwelt gelangen. Der Massenverlust sei bei Offshore‑Windenergieanlagen etwas höher als bei Anlagen an Land.
Insgesamt kamen die Forschenden von der Technical University of Denmark damit für Dänemark auf rund 1,6 Tonnen Mikroplastik im Jahr. Diese sind in der Gesamtbetrachtung jedoch kaum von Bedeutung, wenn man dem die Mengen an Mikroplastik gegenüberstellt, die pro Jahr im dänischen Straßenverkehr durch Reifenabrieb (bis zu 6600 Tonnen), Textilien (bis zu 1000 Tonnen) oder Farben (bis zu 1290 Tonnen) entstehen.
Die Mengen an Mikroplastik sind in der Gesamtbetrachtung kaum von Bedeutung
Um die Behauptung zu stützen, dass »Windräder ihre Umgebung durch toxischen Abrieb von den Rotorblättern kontaminieren«, wird oft eine Arbeit aus dem Jahr 2021 zitiert. Das Studiendesign des norwegischen Wissenschaftlers Asbjørn Solberg hat allerdings einige handwerkliche Schwächen: So wurden die Proben weder unter realistischen Bedingungen getestet, noch handelte es sich um das tatsächliche Material der Rotorblätter. Die Flügel bestehen in der Regel aus Holz, das mit glasfaserverstärkten Kunstharzen ummantelt ist. Um eine Erosion zu verhindern, werden sie mit einer speziellen Lackierung geschützt. Das Forschungsteam hat sich aber ein kleines, unlackiertes Stück eines sogenannten G10-Epoxid-Glasfaser-Laminats angeschaut. Zudem rechneten die Forscher die Materialverluste von kleinen Proben auf die Oberfläche der großen Rotorblätter hoch, eine unzutreffend vereinfachte Übertragung.
Die Frage, wie giftig der Abrieb von Rotorblättern für die Umwelt sein kann, ist nicht leicht zu beantworten. Die Rotorblätter werden unter Verwendung von Epoxidharz hergestellt, das Bisphenol A (BPA) enthält. BPA ist nach Angaben der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wegen möglicher Auswirkungen auf das Hormonsystem ein gefährlicher Stoff und deswegen seit Dezember 2024 als »Lebensmittelkontaktmaterial« verboten. Die Hersteller von Epoxidharzen verweisen allerdings darauf, dass die Harze nur im flüssigen Zustand gefährlich seien, nicht nach der Aushärtung. Auch ein Sicherheits-Leitfaden der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft – eine Branche, in der sehr viel Epoxidharz verwendet wird – betont dies.
Das dänische Forschungsteam gibt dennoch zu bedenken, dass die Zahl der Windenergieanlagen im Zuge der Energiewende steigen und damit auch die Menge an freigesetztem Mikroplastik zunehmen wird. Es sei daher sehr wichtig, neue und verbesserte Schutzlackierungen für die Blattvorderkante zu entwickeln und die Anlagen regelmäßig zu warten, um größere Abnutzung zu verhindern.
Stimmt es, dass Windenergieanlagen klimaschädliche Gase enthalten?
Windräder können das Gas Schwefelhexafluorid (SF6) enthalten. Es kommt als Schutzgas in den Schaltanlagen der Turbinen zum Einsatz. Das Gas ist inert – reagiert also quasi nicht – und wirkt als elektrischer Isolator. Kurz gesagt: SF6 sorgt dafür, dass die Schaltanlagen etwa bei einem Kurzschluss nicht explodieren.
SF6 ist extrem klimaschädlich: Auf 100 Jahre gerechnet, erwärmt eine Tonne SF6 die Atmosphäre so stark wie rund 23 500 Tonnen Kohlenstoffdioxid. Es ist außerdem sehr langlebig und kann Schätzungen zufolge zwischen 850 und 1280 Jahre in der Atmosphäre überdauern.
Im Normalfall entweicht das Gas nicht aus den Windrädern in die Atmosphäre; es kann jedoch durch Lecks, bei Wartungen oder beim Auf- oder Abbau der Anlagen unbeabsichtigt in die Luft gelangen. Schätzungen zufolge treten jährlich zwischen 0,02 Prozent bis maximal 0,1 Prozent des in Windenergieanlagen enthaltenen Schwefelhexafluorids aus. Pro Turbine werden rund 10 Kilogramm SF6 eingesetzt.
Allerdings hat der rasche Ausbau von Solar- und Windkraft auch zur Folge, dass mehr dezentrale Energieerzeuger ans Stromnetz angeschlossen werden müssen; folglich steigt der Bedarf an Leitungen und Schaltungen, in denen ebenfalls SF6 als Schutzgas verwendet wird. Vor allem in Ländern wie China erwarten Forschende daher in Zukunft einen Anstieg der Emissionen. Das gilt allerdings für den gesamten Energiesektor. Bezogen auf Windräder betonen Fachleute immer wieder: Die Menge an Schwefelhexafluorid, die bei eventuellen Leckagen austreten könnte, schadet dem Klima weit weniger, als der Ausbau der Windenergie dem Klima nutzt.
Das Energiesystem beansprucht den Großteil des weltweit hergestellten Schwefelhexafluorids: Rund 80 Prozent werden für elektrische Schaltanlagen und Schalter, Hochspannungsleitungen oder Umspannwerke benötigt. Kleinere Anteile entfallen auf die Herstellung von Elektronik und andere technische Anwendungen. Eine Zeit lang wurde das Gas sogar in Autoreifen, Tennisbällen und Sohlen von Turnschuhen verwendet. Besonders in Deutschland wurde SF6 bis Anfang der 2000er-Jahre in schallisolierten Fenstern eingesetzt.
In der Europäischen Union soll der Anteil des Gases in technischen Anwendungen, darunter im Energiesektor, bis zum Jahr 2030 gegenüber 2014 um zwei Drittel sinken. Das regelt die 2024 verabschiedete F-Gas-Verordnung. Ab 2026 werden Verbote für den Einsatz von Schwefelhexafluorid und anderen fluorhaltigen Treibhausgasen in elektrischen Schaltanlagen stufenweise eingeführt. Außerdem gelten bestimmte Auflagen für die Dichtigkeit, die regelmäßig überprüft werden muss. Zahlreiche Hersteller haben bereits SF6-freie Windenergieanlagen auf den Markt gebracht; als Ersatz können beispielsweise andere Fluorkohlenwasserstoffe dienen, die weniger klimaschädlich sind. Von 1995 bis 2016 sanken die SF6-Emissionen aus dem Energiesektor in den USA um rund drei Viertel.
Seit 1997 überwacht die US-amerikanische Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde NOAA den SF6-Gehalt der Atmosphäre. Dieser hat sich seit Beginn der Messungen mehr als verdoppelt, von rund 0,2 ppt (parts per trillion, also Moleküle SF6 pro Billion Moleküle in der Atmosphäre) im Jahr 1998 auf 0,47 ppt im Jahr 2025. Heute enthält die Atmosphäre knapp 12,6 ppt SF6 (Stand Juni 2026).
Stimmt es, dass Rotorblätter nicht recycelt werden können und stattdessen vergraben werden?
In den Ländern der Europäischen Union dürfen ausrangierte Rotorblätter – anders als beispielsweise in den USA – nicht deponiert werden. Doch der Weg zum massenhaften Recycling von Rotorblättern ist noch weit. Aktuell arbeiten mehrere Forschungsgruppen an den nötigen Technologien. Rotorblätter sind typischerweise 20 bis 30 Jahre lang in Gebrauch. Infolge des rasanten Ausbaus der Windenergie seit den 2000er-Jahren werden deswegen allein bis 2037 etwa 83 000 Tonnen an ausgedienten Rotorblättern zu entsorgen sein. Das entspricht gut einem Viertel der jährlichen Menge an Haushaltsmüll der Hansestadt Bremen.
Infolge des rasanten Ausbaus der Windenergie werden bis 2037 etwa 83 000 Tonnen an ausgedienten Rotorblättern zu entsorgen sein
Für die Entsorgung der riesigen Bauteile gibt es derzeit mehrere Möglichkeiten. Häufig werden die in Deutschland ausgemusterten Blätter aufbereitet und im Ausland weitere fünf Jahre verwendet. Der Großteil der ausgedienten Rotorblätter wird jedoch in Müllheizkraftwerken verbrannt. Daneben nutzt auch die Zementindustrie die darin enthalten Kunststoffe als Brennstoff, die Asche aus Glasfasern wird dem Zement zugesetzt. Diese »thermische Verwertung« eignet sich allerdings nur für glasfaserverstärktes Material, und auch nur dann, wenn das Kraftwerk mit spezieller Filtertechnologie ausgerüstet ist. Die extrem robusten Kohlenstofffasern würden nicht nur Filter und andere Anlagenteile verstopfen, sondern sie sind auch elektrisch leitfähig und können somit Kurzschlüsse auslösen.
Ferner werden mit klein geschredderten Rotorblättern auch Beton und Asphalt verstärkt oder das Material wird, wenn es fein gemahlen ist, in Sportgeräten, Möbeln oder Fahrzeugteilen eingesetzt. Einige wenige alte Rotorblätter finden sich heute zudem auf Spielplätzen, als Lärmschutzwand oder als Bushaltestelle wieder. Um einen Einzelfall dagegen handelt es sich bei einer Meldung aus dem April 2025, wonach in einem Naturpark in Tschechien illegal Teile von ausgedienten Windenergieanlagen aus Deutschland deponiert wurden. Deutsche Behörden ließen den Sondermüll nach Bekanntwerden der Vorwürfe zurück nach Deutschland holen.
Schwierig ist das Recycling der teils mehr als 70 Meter langen Rotorblätter, da darin unterschiedliche Materialien fest miteinander verbunden sind. Den größten Teil macht die Schale aus Epoxidharz aus, in das wiederum Glas- und Kohlenstofffasern eingebettet sind. Ebenfalls Teil des Materialverbunds sind Sandwichstrukturen aus Balsaholz und dem festen Kunststoff PET oder dem geschäumten PVC.
»Rotorblätter sind grundsätzlich schon heute recycelbar«, sagt Enno Petersen vom Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES. Doch der Prozess verschlingt viel Energie und ist teuer. Vergleichsweise einfach lassen sich noch Balsaholz und Schäume mechanisch aus dem Blatt heraustrennen. Komplizierter ist es, die Glas- und Kohlefasern so aus den Kunststoffen herauszulösen, dass sie ihre hervorragenden Eigenschaften nicht verlieren. Das Fraunhofer IWES setzt dabei zum einen auf Pyrolyse, wobei das Material unter Hitze aufgetrennt wird, und auf die chemische Auflösung des Materials per Solvolyse. Die Forschenden aus Bremerhaven beherrschen das Verfahren bereits. »Für das Recycling von sehr großen Mengen an ausgedienten Rotorblättern fehlen uns aber noch die Erfahrung und die passende Infrastruktur«, sagt Petersen. Auch müssen die Kosten für das Recycling gegenüber heute noch runter. »Das Zerkleinern und Verbrennen ist aktuell noch günstiger als aufwendigere Recyclingverfahren.«
Neuen Schub würde das Recycling auch durch eine veränderte Materialauswahl bei den Rotorblättern erhalten. So könnte das heute verwendete und nicht schmelzbare Epoxidharz durch Harzsysteme ersetzt werden, die sich mit einfachen Mitteln auflösen lassen. Eine erste Windturbine mit solchen vollständig recycelbaren Rotorblättern ist seit April 2026 vor der Küste Dänemarks in Betrieb.
Stimmt es, dass der Beton der Fundamente im Waldboden bleibt und die Stelle anschließend für immer kahl sein wird?
Es kommt auf das Fundament an. Für den Bau von Windenergieanlagen im Wald kommen zwei Fundamenttypen infrage: Flachfundamente und Pfahlgründungen. Flachfundamente bestehen aus einer runden Stahlbetonplatte von 15 bis 20 Metern Durchmesser, die von der Oberfläche aus zwischen 1,5 und 3 Meter tief in den Waldboden hineinragt. Flachfundamente sind die am häufigsten eingesetzte Fundamentart. Sie werden dort gebaut, wo der Boden aus tragfähigem Material wie Lehm, Fels oder verdichtetem Sand besteht. Bei nachgiebigem Untergrund kommen stattdessen oder zusätzlich Pfahlgründungen zum Einsatz. Dafür werden mehrere etwa einen Meter dicke Bohrpfähle zehn Meter und tiefer in die Erde eingebracht.
Laut Baugesetzbuch müssen Windenergieanlagen nach Ende ihrer Betriebsdauer von typischerweise 20 Jahren zurückgebaut werden – einschließlich der Bodenversiegelung, also des Fundaments. Miriam Vollmer von der Universität Bielefeld zufolge geschieht das bei Flachfundamenten in der Regel auch, wenngleich nicht immer vollständig. Flachfundamente lassen sich vergleichsweise einfach entfernen, indem man sie kontrolliert abträgt, wegfräst oder sprengt, wie die Verwaltungsrechtlerin in einem Blog-Eintrag schreibt. Allerdings gebe es keine bundeseinheitliche Regelung, wie tief das Fundament abgetragen werden muss. Viele Genehmigungsbescheide forderten, dass alles in einer Tiefe von bis zu einem Meter unter der Geländeoberkante zurückgebaut werden müsse, weswegen Teile des Fundaments in der Praxis häufig im Boden verbleiben. Die Entfernung von Pfahlgründungen gestaltet sich deutlich aufwendiger, weshalb sie häufig nur bis in eine Tiefe von ein bis zwei Metern zurückgebaut werden.
Die meisten Onshore-Windenergieanlagen stehen auf solchen runden, 10 bis 20 Meter breiten und bis zu drei Meter dicken Stahlbetongründungen.
Wie stark solche Fundamente den Waldboden verändern, ist bislang kaum erforscht. Laut Peter Hartmann von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg wirkt sich eine Windenergieanlage zwar insofern dauerhaft auf das Waldökosystem aus, dass am Standort der Anlage selbst eben kein Waldökosystem mehr bestehe. »Wenn Waldboden mit seinen Poren für Luft, Wasser und Nährstoffe durch Beton ersetzt wird, wächst da nicht mehr viel, außer vielleicht Moose und Flechten.«
»Wird der Boden fachgerecht rekultiviert und nicht übermäßig verdichtet, dann kann sich dort auch wieder Wald entwickeln«Peter Hartmann, Experte für Waldboden
Sofern das Fundament nach dem Betrieb der Anlage ganz oder teilweise beseitigt werde, komme dort aber auch der Wald wieder, wenn auch mit eingeschränkter Standortsqualität. Insbesondere gelte das für steinige und flachgründige Waldböden. »Unter solchen Böden findet sich in einem Meter Tiefe ohnehin wieder festes Gestein, oft sogar schon ab 30 Zentimeter unter der Oberfläche«, sagt Hartmann. »Wird der Boden fachgerecht rekultiviert und nicht übermäßig verdichtet, dann kann sich dort auch wieder Wald entwickeln, selbst wenn das Fundament weiterhin im Boden verbleibt. Der ursprüngliche Zustand wird jedoch kaum wieder erreicht.« Verbleiben große Betonteile in lehmigen, tiefgründigen Böden, dürften die langfristigen Veränderungen im Vergleich zum ursprünglichen Zustand deutlich stärker ausfallen. »Hier bleiben die Eingriffspuren dauerhaft sichtbar.« Pfahlgründungen dürften für die künftige Waldentwicklung im Vergleich zu Flachfundamenten unproblematischer sein, weil sie weniger Fläche beanspruchen.
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