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News: Ferner Verwandter

Jenseits von Neptun und Pluto ist nicht mehr viel los - davon ging man bisher jedenfalls aus. Immerhin fand sich dort Anfang 2000 aber ein riesiger Komet - und niemand weiß, wie er dahin kam. Die Riesenplaneten und ihre Schwerefelder können es nicht gewesen sein, jedenfalls nicht, wenn sie in grauer Vorzeit schon so angeordnet waren wie heute. Vielleicht wurde er ja von einem kleinen, Mars-großen Planeten eingefangen, der dort draußen womöglich immer noch seine Bahn zieht.
Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun, das sind die Planeten unseres Sonnensystems. Pluto gibt es auch noch, aber bei dem herrscht Uneinigkeit darüber, ob er wirklich ein Planet ist oder doch nur ein Asteroid. Jedenfalls ist irgendwo bei fünf bis sechs Milliarden Kilometern Entfernung von der Sonne das Ende des Sonnensystems erreicht. Jenseits davon, so glaubte man bisher, gäbe es keine Planeten-großen Körper mehr, sondern nur noch eisige Kometen. Zu ihnen gehören auch die so genannten transneptunischen und transplutonischen Objekte, die zu Hunderten ihren exzentrischen Umlaufbahnen folgen und Teil des Kuiper-Gürtels sind.

Im Februar 2000 entdeckten Astronomen hier einen besonders dicken Brocken, den rund 400 Kilometer großen 2000 CR105. Und der ist einigermaßen rätselhaft, denn Brett Gladman vom Laboratoire Giovanni Domenico Cassini des Observatoire de la Côte d'Azur und seine Kollegen erkannten, dass seine Umlaufbahn derart groß ist, dass sie nicht mit der jetzigen Konstellation der Riesenplaneten in Einklang zu bringen ist. Kurzum, die großen Planeten und ihre Gravitation können es nicht gewesen sein, die 2000 CR105 auf seine ungewöhnliche Bahn drängten. Jedenfalls nicht, wenn sie immer so standen wie heute.

2000 CR105 kann sich der Sonne bis auf eine Distanz von 6,6 Milliarden Kilometern nähern und ist dann immer noch mehr als zwei Milliarden Kilometer von Neptun entfernt - seine größtmögliche Entfernung liegt bei 58,2 Milliarden Kilometern. Wer weiß, vielleicht lief Neptun selbst einst auf einer Umlaufbahn, die weit exzentrischer war als es heute der Fall ist, und auf der er den Kometen dorthin lenkte, wo er heute zu finden ist.

Die aufregendste Möglichkeit ist indes ein vielleicht Mars-großer Planet in etwa zehn Milliarden Kilometern Entfernung zur Sonne. Da er soweit draußen kaum noch die Bahnen anderer Planeten kreuzen kann, ist nicht einmal auszuschließen, dass er bis heute dort existiert. Das wäre in der Tat eine Sensation, an die Hal Levison vom Department of Space Studies des Southwest Research Institute allerdings nicht glauben kann. Immerhin sieht er in den Ergebnissen seiner Kollegen aber den ersten Beweis dafür, dass es jenseits unseres Sonnensystems einmal einen richtigen Planeten gab. Der Kuiper-Gürtel ist voll von mehr oder weniger großen Brocken aus Eis und Staub. Ihre Erforschung, so hofft Levison, könnte bald Licht in das Dunkel dieser einsamen Gegend bringen.

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Icarus (im Druck)

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