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News: Fette Datierung

Mitunter ist das Alter irdener Gefäße nur schwer zu bestimmen. Eingetrocknete Fette können helfen.
Spurensuche im Wald: Dem unkundigen Auge verborgen zeichnen sich nur schwach die Konturen einer Kreisgrabenanlage im Erdreich ab. Längst verrottet sind einstige Holzpalisaden, die eine Datierung der Anlage ermöglichen würden. So sind Archäologen auf andere Funde angewiesen, die ihnen mehr über die Geschichte des Ortes erzählen.

Häufig sind es Keramikfunde, die in solchen Fällen weiterhelfen. Zwar lässt sich das Material nicht mit der Radiocarbonmethode datieren, da aber jede Epoche ihre eigene Mode in Bezug auf Ausgestaltung der Töpferware hatte, lässt sich meist recht gut angeben, wann sie entstand. Anhand dieser Funde können Forscher dann auch das Alter von beispielsweise einer Siedlung bestimmen. Sogar die Nutzungsdauer kann aufgrund der Fundsituation in unterschiedlichen Grabungsschichten rekonstruiert werden. Doch all das versagt, wenn sich die Keramik nicht eindeutig zuordnen lässt.

"Späte Töpferware, wie die der Römer, ist vergleichsweise leicht durch ihr Äußeres zu datieren, bei frühem Steinzeug ist das aufgrund der einfacheren Ausführung jedoch meist viel schwieriger", erklärt Richard Evershed von der University of Bristol. Hilfe verspricht jedoch eine Entdeckung, die dem Forscher zusammen mit Kollegen bereits während früherer Arbeiten gelang: Fettreste.

Denn Evershed und seine Kollegen untersuchten die Rückstände in Töpferware aus dem Neolithikum, der Bronze- und der Eisenzeit auf den britischen Inseln, und stets fanden sie dabei auch tierische Fette und Lipide, was unter anderem auf eine mindestens 6000 Jahre alte Tradition der Milchverarbeitung zurückzuführen ist. Aber nicht nur darauf. Tierische Fette fanden Verwendung als Schmier- und Imprägniermittel, Kosmetik, Salbe, Duftstoff und Lack. Allerdings lassen sich der Bodensatz und andere Reste in den Gefäßen nur bedingt zur Datierung heranziehen, da sie meist mit dem Erdreich in Kontakt standen und entsprechend verunreinigt wurden.

Das Team um Evershed konnten nun aber dennoch genug datierbare Fette und Lipide zusammentragen und zwar aus dem Ton selbst. Denn das Material hat die Fette regelrecht aufgesogen – zumindest, wenn es nicht glasiert war. Das ist laut Evershed aber auch häufig nicht der Fall, denn gerade in den interessanten Perioden kannte man noch keine Glasur.

Die Fette zu gewinnen, war ein Leichtes, wenngleich manchem Archäologen bei dem Gedanken daran die Haare zu Berge stehen könnten: "Wir nehmen ein Stück eines Gefäßes und mahlen es zu Pulver, und dann extrahieren wir die Lipide, die hier eingedrungen sind." Mithilfe so genannter präparativer Kapillargaschromatographie konnten die Forscher daraus genug Material für die Radiocarbondatierung gewinnen.

15 Keramiken – zumeist Kochgeschirr – von 4000 vor Christus bis ins 15. Jahrhundert nach Christus ließen sich auf diese Weise datieren, und zwar, wie sich herausstellte, in guter Übereinstimmung mit anderen Methoden der Alterbestimmung. Dabei war es offenbar kein großes Problem, die Proben für die Untersuchung zu bekommen: "Museumskuratoren müssen erst überzeugt werden, bevor sie einen mit der Keramik ziehen lassen. Aber das meiste Steinzeug ist ohnehin nicht zur Ausstellung geeignet, sondern lagert verstaut in Taschen und Kisten im Museumsarchiv."

Und bei Keramik wollen es die Forscher nicht belassen. Schon haben sie die vielen Mumien im Visier, die zu viktorianischer Zeit in Massen nach England verschifft wurden. Die Forscher wollen mithilfe der Gaschromatographie ursprüngliche alte Balsamieringredienzien von neueren Substanzen zur Konservierung unterscheiden. Prinzipiell, so meinen sie, würde sich die Methode immer dann eigenen, wenn organisches Material in einem anderen konserviert wurde. Selbst Aminosäuren könne man auf diese Weise mit der präparativen Gaschromatographie gewinnen – der nächste Schritt, wie Evershed meint.

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