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Adipositas: Fettleibigkeit erhöht das Risiko für Gebärmutterkrebs drastisch

Starkes Übergewicht macht noch anfälliger für Gebärmutterkrebs als gedacht. Durch Genanalysen haben Forschende die Rolle von Hormonen dabei entschlüsselt.
Adipöse Frau auf einem Jahrmarkt.

Gebärmutterkrebs ist die häufigste gynäkologische Krebserkrankung in Ländern mit hohem Einkommen. In den meisten Fällen geht er von der Schleimhautoberfläche aus, Fachleute sprechen dann von einem Endometrium-Karzinom. Man weiß bereits, dass Übergewicht das Risiko für diese Krebsart erhöht, die Mechanismen und das tatsächliche Ausmaß waren dagegen unklar. Die Molekularbiologin Emma Hazelwood und ihre Kollegen von der University of Bristol haben den Zusammenhang in einer der bislang größten Studien dazu genauer untersucht und die Ergebnisse im »Journal BMC Medicine« veröffentlicht.

Die Analysen ergaben, dass Übergewicht die Wahrscheinlichkeit, an Gebärmutterkrebs zu erkranken, fast verdoppeln kann. Das ist ein höherer Wert, als in den meisten bisherigen Untersuchungen angenommen wurde, und er spiegelt eine lebenslange Entwicklung wider, also nicht nur den Status zu einem bestimmten Zeitpunkt. Genauer: Für je fünf zusätzliche BMI-Einheiten steigt das Risiko um 88 Prozent. Fünf BMI-Einheiten ist der Unterschied zwischen den Kategorien »übergewichtig« und »adipös«. Bei einer erwachsenen Frau, die 165 Zentimeter groß ist, wären das rund 13 Kilogramm.

Der Body-Mass-Index (BMI)

Er berechnet sich aus dem Gewicht geteilt durch die Größe zum Quadrat, Beispiel: 70 kg/(1,70 m)² = 24,2. Laut der Weltgesundheitsorganisation gelten junge Erwachsene mit einem BMI unter 18,5 als untergewichtig, ab 25 als übergewichtig und ab 30 als stark übergewichtig. Was als gesund gilt, hängt auch von Geschlecht und Alter ab: Männer dürfen etwas mehr wiegen als Frauen, Ältere etwas mehr als Jüngere. So liegt der ideale BMI mit 30 Jahren zwischen 20 und 25, mit 60 Jahren zwischen 23 bis 28.

Um herauszufinden, welche molekularen Mechanismen dahinterstecken, nahmen die Forschenden Genproben von rund 120 000 Frauen aus Australien, Belgien, Deutschland, Polen, Schweden, dem Vereinigten Königreich und den USA. Ungefähr 13 000 der Studienteilnehmerinnen hatten Gebärmutterkrebs. Das Team erhob 14 genetische Risikomarker, die mit dem Stoffwechsel, dem Hormonhaushalt und Entzündungsprozessen im Körper in Verbindung gebracht werden. Mit Insulin, Testosteron und dem sexualhormonbindenden Globulin (SHBG) haben die Wissenschaftler drei Hormone identifiziert, die einerseits das Risiko einer Krebsdiagnose erhöhten, andererseits teilweise den Zusammenhang mit Übergewicht erklärten. Man weiß bereits, dass Fettgewebe eine wichtige endokrine Funktion hat und unter anderem in den Stoffwechsel von Steroiden involviert ist, zu denen Sexualhormone gehören.

Durch weitere Einblicke, wie genau Fettleibigkeit das Krebsrisiko erhöht, könnten Forscher künftig Medikamente gezielter bei Risikopatientinnen einsetzen. Wirkstoffe wie Metformin, das bei der Diabetesbehandlung eingesetzt wird, können beispielsweise die Werte von Hormonen senken. Die Forschung geht derzeit davon aus, dass das Medikament ebenso das Krebsrisiko beeinflusst.

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