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Ernährung: Fettleibigkeit senkt langfristig durchschnittliche Lebenserwartung

Die zunehmende Zahl fettleibiger Menschen – insbesondere Kinder – in den USA wird den Anstieg der Lebenserwartung stoppen und sogar umkehren, sagen Jay Olshansky von der Universität von Illinois in Chicago und seine Kollegen. Ihrer Analyse zufolge verkürzt übermäßiges Körpergewicht das Leben um vier bis neun Monate. Und wenn der enorme Anstieg der Zahl übergewichtiger Kinder anhielte, dürfte dies in den nächsten Jahrzehnten die durchschnittliche Lebensspanne um zwei bis fünf Jahre verringern.

Zwei Drittel der erwachsenen US-Amerikaner sind übergewichtig, bei den Kindern liegt der Anteil bei 25 bis 30 Prozent und ist damit in den letzten 25 Jahren um den Faktor 2,3 bis 3,3 gestiegen, berichten die Wissenschaftler. Im Zusammenhang damit hat sich die Häufigkeit von Diabetes unter Kindern verzehnfacht. Während im Jahr 2000 die Mahlzeit eines US-Amerikaners zu etwa einem Drittel aus Fett bestand, so sind es heute 42 Prozent. Ein Zehntel der täglichen Kalorienaufnahme bei dortigen Kinder stammt derzeit aus Fastfood, 1970 waren es noch zwei Prozent.

Die Forscher machen vor allem Umwelteinflüsse für die ausufernde Fettsucht verantwortlich. So bekäme ein Kind pro Jahr etwa 10 000 Werbespots für Lebensmittel zu sehen, von denen sich 95 Prozent auf Fastfood, Softdrinks, Süßigkeiten oder gezuckerte Getreideprodukte beziehen. Zehn Milliarden Dollar werden in Werbung gesteckt, die speziell auf US-amerikanische Kinder abzielt. Im Vergleich dazu beträgt das Budget eines Programms zur Förderung des Obst- und Gemüseverzehrs gerade einmal 1,1 Milliarden Dollar. Die Hälfte aller Schulen stehe unter Vertrag mit Anbietern von Fastfood und Softdrinks, die diese auf dem Schulgelände verkaufen dürften. Gleichzeitig werde der Sportunterricht in den Schulen gekürzt, um Geld zu sparen, klagen die Wissenschaftler.

Auch in Deutschland gibt es immer mehr fettleibige Kinder. Bei den Erwachsenen gelten ein Fünftel bis ein Viertel als übergewichtig und haben damit ein höheres Risiko für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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