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Feuchtgebiete: Das größte Moor ist noch größer

Versteckt in den Regenwäldern des Kongobeckens findet sich ein riesiger Kohlenstoffspeicher. Das Erdöl darunter weckt allerdings Begehrlichkeiten.
Sumpfgebiet im Kongobecken
Im Kongobecken wächst der zweitgrößte Regenwald der Erde und findet sich das größte tropische Moor der Erde.

Erst vor wenigen Jahren entdeckte man das größte tropische Torfmoor der Erde. Mindestens seit Ende der letzten Eiszeit lagerten sich hier enorme Mengen an abgestorbenen Pflanzenresten in der Senke von Cuvette Centrale im Kongobecken ab. Ein Team um Bart Creeze von der University of Leeds hat die Ausmaße dieses Feuchtgebiets erneut untersucht und festgestellt, dass es nochmals 15 Prozent größer ist als bislang bekannt. Das schreibt die Arbeitsgruppe in »Nature Geoscience«

Mit einer Fläche von mehr als 167 000 Quadratkilometern macht es mehr als ein Drittel der Gesamtfläche und mehr als ein Viertel des gespeicherten Kohlenstoffs aller tropischen Torfmoore aus. Das internationale Team suchte über drei Jahre hinweg immer neue Regionen des wissenschaftlich bislang kaum analysierten Gebiets auf und nahm dort verschiedene Daten auf.

Die Torfschichten sind demnach bis zu 6,5 Meter dick; insgesamt könnte die Region zwischen 26 und 32 Milliarden Tonnen Kohlenstof speichern. »In diesem relativ kleinen Torfgebiet ist so viel Kohlenstoff gespeichert, wie in allen Bäumen des gesamten Regenwaldes im Kongobecken vorhanden ist«, sagt Creeze. Das Torfmoor erstreckt sich über Teile des Staatsgebiets von Kongo (Republik) und der Demokratischen Republik Kongo, wobei vor allem dort die neuen Studien stattfanden. Die vor Ort erhobenen Daten wurden dann mit Hilfe von Satellitenaufnahmen auf das gesamte Gebiet hochgerechnet.

Dabei zeigten sich auch bemerkenswerte regionale Unterschiede in der Ausprägung der Moore. Im Kongo (Republik) erstrecken sich die Torfmoore über weite Flächen, während sie sich in der Demokratischen Republik Kongo nach bisherigen Erkenntnissen auf enge Täler der Zuflüsse zum Kongofluss konzentrieren. Die Torfschichten sind dort allerdings ähnlich mächtig wie in den zentralen Flächen der Sümpfe weiter nördlich.

Bislang sind diese Torfwälder noch relativ unberührt. Doch tauchen bereits die ersten Begehrlichkeiten auf: Neben Konzessionen für den Holzeinschlag und Palmölplantagen sollen ebenso Explorationslizenzen an Mineralölfirmen vergeben werden. Das sei der schlechteste Platz der Erde, um nach Öl zu bohren, schreibt allerdings die »New York Times« . Neben den üblichen Problem der Ölförderung in entlegenen Regenwaldgebieten wie die unvermeidliche Erschließung mit Straßen und die nachfolgende Verschmutzung mit Öl und Rückständen der Gewinnung, könnte man die riesigen Kohlenstofflager in die Atmosphäre freisetzen.

Sobald der Torf trockenfällt, zersetzt er sich und Kohlendioxid wird frei. Aus der Kohlenstoffsenke wird eine Quelle, die den Klimawandel weiter anheizt. Creeze und Co mahnen daher, dass bislang nur ein kleiner Teil dieser Torfmoore in Schutzgebieten liegt. Welche Risiken die Erschließung birgt, zeigt Indonesien, wo ein großer Teil der Torfmoorwälder für Palmölplantagen zerstört wurde. Fast jedes Jahr sorgen dann ausgedehnte Brände in den ausgetrockneten Gebieten für ausgeprägte Smoglagen, die Millionen Menschen gesundheitlich belasten.

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