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Entomologie: Feuerameisen bauen sich ein lebendes Floß

Feuerameisen auf dem WasserLaden...
Zu den fiesesten Plagen, die Menschen unabsichtlich über den Globus verschleppt haben, zählt die Feuerameise (Solenopsis invicta) aus südamerikanischen Regenwäldern. Begünstigt wird ihre internationale Expansion durch die extreme Überlebensfähigkeit der Krabbeltiere, denen selbst Überflutungen nicht den Garaus machen: Sie schließen sich dann zu lebenden Flößen zusammen, die lange im Wasser driften können, ohne dass ein nennenswerter Teil des Volks dabei ertrinkt. Wie ihnen das gelingt, haben nun Wissenschaftler um Nathan Mlot vom Georgia Institute of Technology in Atlanta erstmals im Detail untersucht.

© Nathan Mlot/The Ant Lab
Feuerameisen bauen sich ein Floß
In der Nähe ihrer Universität hatten sich bereits zahlreiche Kolonien der Feuerameisen ausgebreitet, von denen die Forscher einige für ihre Laborversuche einsammelten – und hinter Glas im Wasser versenkten. Wie im Freiland schlossen sich die schwimmenden Insekten rasch zu Flößen zusammen und trieben dadurch unbeeindruckt an der Oberfläche – stets gefilmt von einer Hochgeschwindigkeitskamera, deren Bildanalyse die Technik der Ameisen anschließend enthüllte.

© Nathan Mlot/The Ant Lab
Feuerameisen bauen sich ein Floß (Draufsicht)
Auch wenn die Ameisen klumpenförmig im Wasser landeten, breiteten sie sich rasch über die Wasseroberfläche aus und bildeten schließlich ein pfannkuchenförmiges Floß. Dabei liefen die Ameisen über ihre Artgenossen bis zum Rand der lebenden Insel und hakten sich dort mit ihren Kiefern oder Zehengliedern beim jeweiligen Nachbarn ein, so dass sie eine Art Gitter bildeten, das den Auftrieb gewährleistet. Dieser Verbund wird von den Insekten extrem stark zusammengehalten, wie parallel durchgeführte Kraftmessungen belegten: Ein Mensch müsste bei gleicher Leistung umgerechnet sechs Elefanten halten, die von einem Hochhaus hängen.

© BBC
Feuerameisenfloß in Amazonien
Jedes Ameisenfloß besteht aus mehreren Lagen, von denen ein Teil unter die Wasseroberfläche gedrückt wird – ohne dass der Staat deswegen größere Verluste durch Ertrinken zu beklagen hätte: Ein Teil des Rettungsinseltricks beruht darauf, dass die Individuen in den unteren Schichten des Floßes von Luftbläschen umgeben sind, so dass ein Luftpolster entsteht, das sowohl den Auftrieb vergrößert als auch die Tiere mit Sauerstoff versorgt. Auf diese Weise können die Ameisen lange Zeit auf dem Wasser driften, bis sie wieder auf festen Untergrund stoßen.

Durch diesen Trick erobern die Insekten nicht nur neues Terrain wie im Süden der USA, er ist vor allem überlebenswichtig in ihrer ursprünglichen Heimat: Immer wieder stehen Waldflächen in Amazonien während der Regenzeit unter Wasser und überfluten Ameisennester. Nur wer sich schwimmend in Sicherheit bringen kann, überlebt hier. (dl)

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  • Quellen
Proc. Natl. Acad. Sci. 10.1073/pnas.1016658108, 2011

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