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Wirtschaft: Firmenchefs werden nicht nach Leistung gewählt

Psychotests, Intuition, Lebenslauf: Headhunter verlassen sich auf einfacher zu messende Dinge, wenn Chefposten zu vergeben sind.
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Wenn ein neuer Chef, neudeutsch CEO, gesucht wird, spielen die früheren Leistungen der Kandidaten nur eine untergeordnete Rolle, zumindest in Großbritannien und außerhalb des Finanzsektors. Das schreiben Wissenschaftler von der London School of Economics and Political Science nach einer Befragung von Führungskräften so genannter Headhunter – Unternehmen, die gezielt nach Kandidatinnen und Kandidaten für vakante Positionen im Management britischer Firmen suchen. Demnach orientieren sich die Kopfjäger an leichter zu bestimmenden Faktoren wie guten Referenzen oder die zuvor eingenommenen Positionen. Wichtig ist auch die Einschätzung, ob der Vorstand des Unternehmens den neuen Kandidaten akzeptieren wird. Dagegen beurteilen die Unternehmen weder die vergangenen Ergebnisse noch die weiteren Resultate nach der Besetzung der Position.

Das liege daran, dass solche Parameter sehr schwer zu bestimmen sind, so Max Steuer, einer der Koautoren der Veröffentlichung: Die Leistung eines Managers sei kaum vom Ergebnis des Unternehmens als Ganzem zu trennen. Stattdessen verlassen sich die Fachleute auf psychometrische Tests oder auch auf ihr persönliches Bauchgefühl – den Anspruch, objektiv zu urteilen, erhebt die Branche laut den Studienergebnissen nicht. Glück spiele eine große Rolle, heißt es stattdessen, und gelegentlich blieben geeignetere Kandidatinnen und Kandidaten auf der Strecke. Zusätzlich halten die Headhunter viele Führungskräfte schlicht für mittelmäßig und überbezahlt – die Unternehmen fühlten sich in der Pflicht, gängige Gehälter zu zahlen, obwohl diese "absurd hoch" seien.

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