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Fische: Wie alternde Haie Knochen besser beißen können

Weiße Haie gelten – zu Unrecht – als Schrecken der Meere. Wie sie ihr Gebiss entwickeln, ist mehr als faszinierend.
Ein großer Hai schwimmt mit weit geöffnetem Maul im Meer, umgeben von kleineren Fischen. Die Szene zeigt die beeindruckenden Zähne des Hais und die dunkle, tiefblaue Umgebung des Ozeans.
Weiße Haie haben ein beeindruckendes Gebiss, das auch im Alter nicht nachlässt.

Wenige Meerestiere regen die Fantasie der Menschen stärker an als der Weiße Hai (Carcharodon carcharias). Vor allem sein Gebiss weckt Furcht und Ehrfurcht gleichermaßen. Doch wie verändern sich die Zähne dieses Raubfisches im Laufe seines Lebens und wechselnder Ernährungsgewohnheiten? Darüber ist bislang wenig bekannt, doch eine Studie von Emily Hunt von der University of Sydney und ihrem Team ändert dies nun: Die Arbeitsgruppe betrachtete im Gegensatz zu früheren Arbeiten nicht nur einzelne Zähne und Altersklassen, sondern, wie sich das gesamte Gebiss über das Leben hin entwickelt.

Erwachsene Weiße Haie besitzen breite, gezackte und scharfe Zähne, die sie konstant ersetzen können, wenn sie abgenutzt sind oder beim Biss in der Beute stecken bleiben und ausfallen oder verschluckt werden. Alle paar Wochen schieben neue Zähne nach vorn und ersetzen ältere Versionen. Die Zähne erwachsener Exemplare sind nach Aussage der Forscher ideal, um bevorzugte Beute wie Robben, Delfine oder kleine Wale zu töten und zu zerlegen. Junge Weiße Haie starten nicht mit dieser Nahrung, sondern fressen Fische und Kopffüßer; Säugetiere jagen sie erst ab einer Länge von circa drei Metern. 

Nachdem Hunt und Co die Gebisse von 100 Individuen untersucht hatten, zeigte sich ein klares Muster. Innerhalb des Kiefers wandeln sich die Zahnformen deutlich: Die ersten sechs Zähne auf jeder Seite sind relativ symmetrisch, dreieckig und damit ideal zum Packen, Festhalten und Schneiden ins Fleisch der Beutetiere. Ab dem sechsten Zahn verändert sich jedoch die Form. Die Zähne werden eher klingenförmig und eignen sich besser zum Zerreißen und Abschneiden von Fleisch. Die Zähne haben also unterschiedliche funktionelle Aufgaben.

Noch auffälliger vollzieht sich der Wechsel beim Altern der Tiere. Wenn sie eine Länge von etwa drei Metern erreicht haben, wechselt das Gebiss grundsätzlich, schreiben die Forscher. Bis dahin sind die Zähne der Jungtiere schlanker und weisen vielfach kleine, höckerartige Verbreiterungen an der Zahnbasis auf. Sie sollen dabei helfen, kleine, eher glitschige Beute wie eben Fische und Tintenfische festzuhalten. Erreicht der Nachwuchs das Erwachsenenalter und die Größe, um Meeressäuger zu erlegen, wechselt das Gebiss komplett durch und sie bekommen das klassische Zahnmuster der Weißen Haie.

Die vier zentralen Zähne – je zwei oben und unten – tragen dann offensichtlich die Hauptlast des Bisses: Sie sind an der Basis am kräftigsten. Ihre jeweiligen Nachbarn zeigen sich hingegen leicht gebogen und dienen als Spezialisten zum Festhalten der Beute. Prinzipiell eignen sich die oberen Zahnreihen besser zum Schneiden und Abreißen von Fleisch, die unteren zum festen Zupacken. Insgesamt sorge dies dafür, dass die Haie sehr effiziente Raubfische sind, schreiben die Wissenschaftler auf »The Conversation«. Und da die Zähne beständig nachwachsen, bleiben die Tiere das bis ins Seniorenalter und zu ihrem Tod.

  • Quellen
Hunt, E. et al., Ecology and Evolution 10.1002/ece3.72795, 2026

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