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Ultramarathon: Fit durch Übermüdung

Ultramarathon durchs Gebirge

Jeder, der einen Marathon hinter sich gebracht hat, weiß wie anstrengend 42,195 Kilometer sind und wie schmerzhaft ein Muskelkater sein kann. Es gibt Menschen, die sich damit nicht zufrieden geben und im Bereich der Ultramarathons auf noch größere Distanz ihre Befriedung suchen. Wem es dann noch zu langweilig ist, verlagert seine Aktivität ins Gebirge und läuft bergauf und bergab über ganze Bergketten. Die Folgen dieser extremen Belastung untersuchten Jonas Saugy und seine Kollegen der Université de Lausanne an Teilnehmern zweier unterschiedlich langer Gebirgsultramarathons. Die Sportwissenschaftler stellten überraschend fest, dass ein längerer Berglauf zu einer geringeren Belastung der Muskulatur führt als ein kürzerer.

Ultramarathon durchs Gebirge | Ein Gebirgsultramarathon stellt eine besondere Belastungen für Körper und Muskulatur dar.

Der Gebirgsultramarathon "Tor des Géants" gilt als der anspruchsvollste der Welt. Auf seinem 330 Kilometer langen Weg durch die italienischen Alpen stehen den Läufern insgesamt 24 Kilometer Höhenunterschied bevor. Die Kurzversion stellt der "Ultra-Trail du Mont Blanc" dar, der auf 150 Kilometer rund um die Mont-Blanc-Gruppe führt und Gesamthöhenunterschiede von 9 Kilometern bietet. Teilnehmer beider Strecken dienten den Wissenschaftlern als Probanden. In Blutproben untersuchten sie die Konzentration von Molekülen, die auf eine schädigende Belastung der Muskulatur schließen lassen. Besonders das Bergablaufen reibt Muskelzellen regelrecht auf, so dass das Molekül Kreatinkinase in die Blutbahn gelangt und als Indikator für muskuläre Schädigung gemessen werden kann.

Beim Vergleich der Kreatinkinase-Konzentrationen, zeigten die Läufer der kürzeren Strecke eine unerwartet zweifach stärkere Belastung ihrer Muskeln als die Langstreckenläufer. Was paradox erscheint, lässt sich mit den unterschiedlichen Strategien erklären, die die beiden Strecken fordern. Während der Mont Blanc in relativ hohem und stetigem Tempo umrundet werden kann, teilen sich die 330-Kilometer-Läufer ihre Strecke in eine erste ruhige und eine schnellere zweite Hälfte ein. Zudem schlafen Teilnehmer des "Tor des Géants" so wenig wie möglich, so dass die Wissenschaftler einen durch Schlafentzug aktivierten Schutzmechanismus vermuten, der die Zerstörung von Muskelzellen mindert. Letztendlich sei es aber wohl die Kombination aus cleverem Kräftehaushalten und Schlafentzug, die zu den überraschenden Ergebnissen führte. Insgesamt stellen diese Läufe jedoch eine extreme Belastung an den Körper dar, wie ein Vergleich mit Kontrollgruppen zeigte. Diese mussten zwar ebenfalls mit stark reduziertem Schlaf auskommen, betätigten sich währenddessen aber nicht weiter sportlich.

Die getesteten "Tor-des-Géants"-Läufer benötigten durchschnittlich 120 Stunden, während Teilnehmer des "Ultra-Trail du Mont Blanc" nach durchschnittlich 40 Stunden ihr Ziel erreichten.

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