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News: Fliegendes Geschöpf aus China

In der chinesischen Provinz Liaoning stießen Wissenschaftler auf das Fossil eines bisher unbekannten vogelartigen Wesens. Das aus der frühen Kreidezeit stammende Geschöpf ist älter als alle anderen bisher bekannten flugfähigen Saurier - mit Ausnahme des Archaeopteryx - und übertrifft mit seinen Ausmaßen alle bis heute gefundenen "Urvögel" seiner Zeit. Damit scheint sich die Evolution der Vögel viel früher abgespielt zu haben als bisher vermutet.
1861 gelangten im bayerischen Solnhofen die sterblichen Überreste eines Wesens ans Tageslicht, welche die Welt zunächst vor ein Rätsel stellten – konnten die damaligen Wissenschaftler das 150 Millionen Jahre alte Fossil doch weder bei den Reptilien noch bei den Vögeln eindeutig einordnen. Inzwischen gilt Archaeopteryx, wie das Tier genannt wurde, als der "Urvogel" schlechthin – auch wenn er vermutlich nicht zu den unmittelbaren Vorfahren der modernen Vögel gehört.

Im Sommer 2000 stießen chinesische Wissenschaftler in der Provinz Liaoning auf einen Saurier, der sich ebenfalls eine interessante Brücke in der Entwicklungsgeschichte der Vögel erweisen könnte. Jetzt haben Zhonghe Zhou und Fucheng Zhang von der Chinese Academy of Sciences seine Überreste näher untersucht.

Sapeornis chaoyangensis, wie der Saurier jetzt heißt, stammt aus der frühen Kreidezeit und hat vor etwa 135 Millionen Jahren die Erde bewohnt. Damit ist er zwar jünger als Archaeopteryx, der während des Juras lebte, aber älter als alle anderen bisher bekannten flugfähigen Saurier.

Er weist einige Merkmale auf, die ihn als einen möglichen Vorfahren der Vögel auszeichnen. Während seine Hinterextremitäten relativ kurz sind, besitzt er extrem lange Vorderextremitäten mit verschmolzenen Mittelhandknochen und einem deltaförmigen Knochenkamm auf dem Oberarmknochen, an dem die Flugmuskulatur ansetzt.

Im interessantesten dürfte die Entdeckung eines so genannte Pygostyls bei dem Saurier sein. Damit bezeichnen die Wissenschaftler die zu einem einheitlichen Knochenstück miteinander verwachsenen letzten Schwanzwirbel der Vögel. Hier setzten die Steuermuskeln des Schwanzes an und gewährleisteten einen stabilen und gewandten Flug. Archaeopteryx verfügte noch nicht über diesen Stabilisator; bei ihm sind die Wirbel gegeneinander beweglich. Mit dem Versteifen dieser Wirbel erlangte der nun gefundene Saurier dagegen eine deutlich verbesserte Flugfähigkeit.

Das vermutlich gute fliegerische Können von Sapeornis überrascht die Forscher, nahmen sie doch bisher an, dass zu Beginn der Kreidezeit noch nicht sehr viele flugfähige Saurier existierten, sondern sich erst im Verlauf der Kreidezeit entwickelten. Doch der neue Fund scheint darauf hinzudeuten, dass es hier viel früher eine größere Artenvielfalt gegeben haben könnte. In diesem Fall hätten sich bereits während des Juras verschiedene Vogelarten entwickelt. Weitere Funde ähnlich alter oder gar älterer Vogel-Fossilien müssten diese These noch belegen.

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  • Quellen
Naturwissenschaften DOI 10.1007/s00114–001–0276–9 (16. November 2001), Abstract

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