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Solarforschung: Fliegendes Teleskop SUNRISE zeigt Sonne detailreicher denn je

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Das mit einem Spiegeldurchmesser von einem Meter bisher größte ballongetragene Sonnenteleskop SUNRISE hat seine fünftägige Mission erfolgreich absolviert. Dies meldete am 15. Juni das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Katlenburg-Lindau, unter dessen Leitung das internationale Projekt realisiert wurde. Das Observatorium war am 8. Juni vom schwedischen Kiruna aufgestiegen und landete in der Nacht zum 14. Juni sicher auf Somerset Island im Norden Kanadas.

Ein Heliumballon mit einem Fassungsvermögen von einer Million Kubikmetern trug die drei Tonnen schwere Konstruktion bis auf eine Höhe von 37 Kilometern, wo sie Detailaufnahmen der Sonnenoberfläche und ihres Magnetfelds mit einer bisher unerreichten Auflösung von 35 Kilometern machte. Die Bergung des Geräts und der Daten könnte sich aufgrund des unwegsamen Geländes noch bis zum Ende der Woche hinziehen, so das MPS. Die übermittelten Signale ließen jedoch darauf schließen, dass alle Instrumente planmäßig funktioniert haben. Mit ersten Bildern könne in zwei bis drei Wochen gerechnet werden.


Video des Startvorgangs.
©2009 ESRANGE
Auf seiner Arbeitshöhe in der oberen Stratosphäre hatte das Observatorium bereits 99 Prozent der atmosphärischen Turbulenzen unter sich gelassen und befand sich größtenteils oberhalb der Ozonschicht, sodass Beobachtungen im UV-Bereich ungestört möglich waren. Da es am nördlichen Polarkeis während der Sommermonate niemals Nacht wird, konnte die Sonne während der gesamten Zeit ohne Unterbrechung beobachtet werden.

Neben hochauflösenden UV-Aufnahmen erhofften sich die beteiligten Wissenschaftler vor allem neue Einblicke in das Entstehen und Vergehen von lokalen Magnetfeldern auf der Sonnenoberfläche, die nach gängigen Theorien die Ursache für Sonnenflecken sind. Das Observatorium ist zu diesem Zweck mit einem Magnetografen ausgestattet, mit dem sich auch kleine Magnetfelder direkt aus der Verschiebung von Spektrallinien heraus sichtbar machen lassen. Des Weiteren sollte beobachtet werden, wie sich Druckwellen auf der Oberfläche der Sonne ausbreiten, um so zu einem besseren Modell der dort ablaufenden Vorgänge zu gelangen.

Sollte SUNRISE seinen Erstflug ohne größere Schäden überstanden haben, sind für die nächsten Jahre noch weitere Starts geplant. Ein zweiter Flug soll eventuell am Südpol stattfinden und könnte somit wesentlich länger sein. Die erste Reise musste auf fünf Tage begrenzt werden, da Russland keine Erlaubnis zum Überflug gewährte.

Ralf Strobel

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