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News: Flöte aus der Steinzeit

Unter Funden, die chinesische Archäologen aus einer jungsteinzeitlichen Siedlung bei Jiahu in der Ebene des Gelben Flusses bargen, entdeckten die Wissenschaftler das vermutlich älteste, noch spielbare Musikinstrument der Welt (nature, Ausgabe vom 23. September 1999, feature of the week). Neben der Flöte gruben die Archäologen zahlreiche weitere Gegenstände aus, die auf ein Alter um 9000 Jahre datiert wurden. Damit steigt das Dorf zu einer der wichtigsten Fundstätten weltweit auf.
Bereits 1962 stieß ein chinesischer Archäologe bei Grabungen in einem Gebiet, daß nunmehr seit Jahrtausenden intensiv landwirtschaftlich genutzt wird, zufällig auf eine Siedlung aus der jüngeren chinesischen Steinzeit. Diese Siedlung könnte einer der wichtigsten, historischen Fundorte überhaupt sein. Bis heute legten die Forscher 45 Häuser, 370 Keller, neun Keramikbrennöfen sowie mehrere hundert Gräber samt Skeletten und Artefakten frei. Trotzdem schätzen Experten das erschlossene Areal auf nur fünf Prozent der Gesamtsiedlung.

"Diese Menschen waren ausgesprochene Meister in der Bearbeitung von Knochen", unterstreicht Garman Harbottle, Chemiker des Brookhaven National Laboratory und beteiligt an der Datierung der Kostbarkeiten aus der Vorzeit. So habe man beispielsweise eine nur fünf Zentimeter lange und sogar mit einem Nadelöhr versehene Knochennadel entdeckt. "Unter den Funden existieren auch Keramiken, die in ihrer geschwungenen Form Stücken gleichen, welche erst 8000 Jahre später entstanden sind."

Doch ganz besonders stolz sind die Archäologen auf das wohl älteste und trotzdem noch spielbare Instrument der Welt: eine aus Knochen hergestellte Flöte.

"Wir konnten insgesamt sechs vollständig erhaltene Flöten ausgegraben, die aus den hohlen Flügelknochen des Mandschuren-Kranichs gefertigt wurden", berichtet Harbottle. Von dreizig weiteren habe man noch Fragmente sichern können. Die größte der sechs Flöten konnte sogar nach 9000 Jahren noch gespielt werden. Beim Versuch, auch den anderen Instrumenten Klänge zu entlocken, drohten die Flöten jedoch zu bersten. Nun wollen die Archäologen exakte Nachbildungen herstellen, um die Kultur der Ahnen im Originalklang erleben zu können.

Momentan treibt Harbottle ein anderes Mysterium um: In der Siedlung von Jiahu fanden sich auch Türkise – doch die nächste Fundstätte der blaugrünen Edelsteine liegt etwa 500 Kilometer entfernt. Auch aus Tibet könnten die Steine ihren Weg in das Tal des gelben Flusses gefunden haben. Also lautet die Frage, wie weit die Handelswege in der Jungsteinzeit reichten. Wer Kostproben der Klänge aus der Steinzeit hören möchte, findet eine auf der Flöte gespielte, alte chinesische Weise sowie Abbildungen im Brookhaven National Laboratory.

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