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Invasive Arten

Floridas Schlangenplage weitet sich aus

In Florida werden immer mehr invasive Tigerpythons außerhalb der Everglades beobachtet. Doch auch ihre Bekämpfung kommt voran.
Tigerpython und Alligator kämpfen darum, wer wen fressen darf

Mehr als fünf Meter lang war der Tigerpython (Python molurus), den der Jäger Jason Leon Anfang Dezember 2017 in Südflorida erlegt hat – kein neuer Rekord für den Bundesstaat (den hält ebenfalls Leon mit einem 5,5-Meter-Exemplar), aber ein Tier, das einem Menschen doch gefährlich werden kann. Ursprünglich waren die Reptilien in Süd- und Südostasien heimisch, doch seit einigen Jahren breiten sie sich massiv im US-Bundesstaat aus und gefährden dort die heimische Tierwelt. Erste Exemplare wurden Ende der 1970er Jahre beobachtet, seit der Jahrtausendwende breiten sie sich jedoch explosionsartig aus. Während ihr bisheriger Verbreitungsschwerpunkt vor allem in den Everglades und benachbarten Regionen lag, tauchen immer mehr Sichtmeldungen weiter nordwestlich in Richtung des so genannten Panhandle der Halbinsel auf – für die Wildtierbiologen der Florida Fish and Wildlife Conservation Commission ein sicherer Hinweis darauf, dass sich die Art regional weiter ausbreitet.

Für die einheimische Fauna sind das schlechte Nachrichten, denn die Tigerpythons nehmen zunehmend den Platz an der Spitze der Nahrungskette ein und verdrängen dort Alligatoren und den vom Aussterben bedrohten Floridapanther, eine Unterart des Pumas. Selbst die Krokodile können den Schlangen zum Opfer fallen. In Gebieten, wo die Pythons bereits lange etabliert sind, beobachten Biologen einen drastischen Rückgang bei vielen Vogel- und Säugetierarten, bisweilen brechen deren Bestände um bis zu 99 Prozent ein. Neben direkten Nachstellungen ist für viele Beutegreifer auch die direkte Konkurrenz durch die Schlangen problematisch, die ab einer bestimmten Größe keine Fressfeinde mehr fürchten müssen.

Um die Ausbreitung der Pythons zumindest zu verlangsamen, dürfen sie intensiv bejagt werden. Im Rahmen einer Kampagne des South Florida Water Management District erlegten Jäger seit März 2017 rund 750 Pythons, darunter trächtige Weibchen. Dies habe mehrere zehntausend einheimische Tiere gerettet, schreibt die Behörde in einer Hochrechnung – so viel Futter hätten die Schlangen benötigt, bis sie vier Jahre alt geworden wären. Um die Kriechtiere besser bekämpfen zu können, setzen die Behörden sogar auf traditionelle Jagdkenntnisse indischer Stammesjäger: Mitglieder der Irula-Ethnie gelten in ihrem Heimatbundesstaat Tamil Nadu als legendäre Ratten- und vor allem Schlangenjäger, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, die Nager und Reptilien zu eliminieren.

Der Import und Handel mit den Riesenschlangen ist mittlerweile in Florida ebenfalls verboten, doch dieser Schritt kommt Jahrzehnte zu spät. Die Gründerpopulation stammt sehr wahrscheinlich von privaten Haltern, denen die Tiere irgendwann im wahrsten Sinne über den Kopf wuchsen und die sie dann im Sumpf aussetzten. Einen weiteren Schub erhielt ihre Etablierung, als 1992 Hurrikan "Andrew" einen Tiergroßmarkt zerstörte, denn dabei kamen viele Pythons frei.

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