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Flüsse : Das bemerkenswerte Comeback des Jangtse

Überfischung, Verschmutzung und Wasserbau sind nur drei der Probleme, die den Jangtsekiang beeinträchtigen. Doch ein Fischereiverbot zeigt bereits rasche Erfolge.
Eine moderne Schrägseilbrücke überspannt einen breiten Fluss, auf dem zahlreiche Frachtschiffe in beiden Richtungen fahren. Im Hintergrund sind städtische Gebäude und eine dunstige Skyline zu sehen. Die Szene vermittelt ein Gefühl von urbaner Infrastruktur und geschäftigem Schiffsverkehr.
Der Jangtse gehört zu den am stärksten genutzten Flüssen der Erde. Und doch hat die Natur eine Chance.

400 Millionen Menschen leben im Einzugsbereich des Jangtsekiang, täglich befahren ihn Tausende Schiffe, an seinen Ufern stehen riesige Fabrikkomplexe und Staudämme schränken seinen Lauf ein: Der chinesische Fluss gehört zu den am stärksten von Menschen beeinträchtigten Fließgewässern der Erde. Und doch kann sich die Natur dort erholen, wenn man sie lässt. Das zeigt eine Studie von Fangyuan Xiong und Co., die die Auswirkungen eines kommerziellen Fischereibanns untersucht haben, der 2021 in Kraft gesetzt wurde.

Die chinesische Regierung hatte dieses zehnjährige Moratorium erlassen, um die geplünderten Bestände des Stroms zu schonen und einen Abwärtstrend umzukehren, der seit den 1950er Jahren angehalten hat. Seit damals waren die Fischzahlen des Flusses um 85 Prozent zurückgegangen. Verschiedene Fischarten gelten inzwischen auch wegen des Fangs als stark bedroht. Gleichzeitig hatte die Fischerei stark dazu beigetragen, dass der Baiji (Lipotes vexillifer), eine endemische Flussdelfinart des Jangtse, ausgestorben ist und die Zahl der Östlichen Glattschweinswale (Neophocaena asiaeorientalis) bedenklich zurückging.

Da verschiedene kleinere Maßnahmen zuvor nicht gewirkt hatten, setzte die Zentralregierung 2021 schließlich auf Prinzipien der Evolutionären Spieltheorie: Sie gab drei Milliarden US-Dollar aus, um Einnahmeverluste von 200 000 Fischern zu kompensieren und ihnen alternative Einkommensmöglichkeiten zu erschließen. Dadurch erreichte die Regierung, dass rund 100 000 Boote stillgelegt wurden. Der Erfolg zeigte sich rasch, wie ein Vergleich von Bestandsdaten verschiedener Fische aus der Zeit vor und nach dem Bann zeigte. Innerhalb von nur zwei Jahren nach Inkrafttreten des Banns hatte sich die Biomasse der Fische verdoppelt und war die Artenvielfalt wieder um 13 Prozent gestiegen.

Für den Baiji kamen die Maßnahmen zu spät, doch die Glattschweinswale profitierten ebenfalls: Ihre Zahl wuchs um ein gutes Drittel von rund 450 auf knapp 600 Tiere. Große Fische wie der Jangtse-Stör (Acipenser dabryanus) oder Winkelkarpfen (Myxocyprinus asiaticus) sind nach Angaben der Forscher zwar immer noch selten, aber es deutet sich ebenfalls ein Trend nach oben ab. Ob dies für den Chinesischen Stör (Acipenser sinensis) schon gelte, sei jedoch noch ungewiss, schreiben die Forscher. Viele dieser Fische werden nachgezüchtet und dann im Fluss ausgesetzt, um die Bestände aufzustocken.

Angesichts ihrer Analysen und Modellierungen gehen Xiong und Co. davon aus, dass das Fischfangverbot hauptsächlich für diese positive Entwicklung verantwortlich ist. Verringerter Schiffsverkehr, verbesserter Bewuchs an den Ufern und Maßnahmen, den Fluss sauberer zu halten, hätten jedoch auch zu dem Erfolg beigetragen. Nun müsse sich zeigen, ob und wie lange dieser Trend anhält – und was nach Ablauf des Moratoriums passiert. Die Studie zeige jedoch, dass sich selbst intensiv genutzte Flüsse und ihre Bewohner erholen können, wenn Menschen es nur zulassen.

  • Quellen
Xiong, F. et al., Science 10.1126/science.adu51, 2026

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