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News: Forscher Frosch

Wagt sich ein Artgenosse in das angestammte Gebiet von Epipedobates femoralis, blüht ihm bald Ungemach - der Pfeilgiftfrosch verteidigt sein Territorium energisch. Dennoch: Der Eindringling muss erst deutlich auf sich aufmerksam machen.
Kommunikation und Verständnis regeln vieles, auch die Angriffslust. Jedenfalls gilt das beim männlichen Braunschenkel-Baumsteiger (Epipedobates femoralis) aus der Familie der Pfeilgiftfrösche (Dendrobatidae). Mit trillernden Lauten versucht der bunte Bewohner süd- und mittelamerikanischer Regenwälder Weibchen für sich zu gewinnen und sein Revier zu verteidigen.

Hüpft ein Artgenosse in sein Territorium, kann das nur knapp drei Zentimeter große Tier schnell handgreiflich werden: Will der Gegner im Kampf um Weibchen und Brutplatz trotz lauthals bekundetem Unmut nicht weichen, geht das Tier mit den braunen Schenkeln zum Ringkampf über, versucht den Eindringling zu Boden zu drücken oder ihn durch Aufspringen, Umklammern und Schieben zu vertreiben.

Gerade weil der Frosch so aggressiv reagiert und seine Stimme warnend vor dem Kampf einsetzt, ist er ein willkommenes Forschungsobjekt: Er eignet sich bestens, um Reize oder Reizkombinationen zu untersuchen, die ihn zum Angriff stimulieren.

Zwar ist bereits bekannt, dass bestimmte Frösche mit territorialem Verteidigungsverhalten ihre Stimme zunehmend komplexer gestalten und damit wachsende Aggression verkünden. Auch attackierten Froschlurche in Versuchen schon Lautsprecher, aus denen Töne von Artgenossen kamen. Doch bisher konzentrierte sich die Forschung vor allem auf die akustischen Auslöser der Angriffslust, nicht jedoch auf die Kombination mit anderen, etwa sichtbaren Reizen. Auch die kampfauslösenden Signale beim Pfeilgiftfrosch Epipedobates femoralis waren kontrollierten experimentellen Bedingungen bisher verschlossen.

Doch jetzt konnten Peter Narins von der University of California und seine Kollegen Walter Hödl und Daniela Grabul von der Universität Wien mit einem speziellen Versuchsaufbau Abhilfe schaffen. Dabei galt es, die Reaktion des Frosches auf völlig unterschiedliche Zeichen zu testen: Hören und Sehen. Gleichzeitig mussten diese Signale miteinander gekoppelt sein. Nun ist bei Fröschen die Stimme gewissermaßen auch zu sehen: an der geblähten und pulsierenden Schallblase am Hals.

Peter Narins und Kollegen stellten deshalb für ihre Versuche in Französisch-Guyana Modellfrösche aus Silikonkautschuk her: Die sahen wie die männlichen Originale aus und erhielten aufblasbare Halssäcke sowie einen Lautsprecher hinter ihrem Rücken. Die Attrappe positionierten die Forscher auf einem künstlichen Baumstamm. Kamen nun Froschsignale vom Band aus der Richtung der Attrappe, ohne dass sich der Blasebalg bewegte, näherte sich der Versuchsfrosch zwar der Geräuschquelle. Er ignorierte aber das Froschmodell und war nicht gewillt, den Lautsprecher körperlich zu attackieren. Wurde nur der Halsbeutel des Modells aufgeblasen, reagierte Epidobates femoralis gar nicht.

In hochaggressive Kampfeslust ließ sich der Frosch nur versetzen, wenn ihn gleichzeitig beide Signale erreichten: Dann blühte der Froschattrappe eine Abreibung. "Mit unserem elektromechanischen Modellfrosch konnten wir das Kampfverhalten beim lebenden Frosch auslösen und die Kommunikationssignale sowohl für den körperlichen Kontakt als auch für kampfeslustiges Verhalten eines Froschlurchs feststellen", erklären die Wissenschaftler ihren Erfolg. Anders gesagt: Die Frösche reagieren nur auf zwei kombinierte Zeichen unterschiedlicher Art angriffslustig – ihre kommunikativen Fähigkeiten sind damit ausgefeilter als gedacht.

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