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News: Forschungs-Hoffnung für von Blindheit bedrohte Menschen

Schwere Erkrankungen der Netzhaut sind ein hauptsächlicher Grund für Blindheit. Allein von der vererbbaren Retinitis pigmentosa sind in Österreich rund 12 000 Menschen betroffen. Bei einem internationalen Fachkongreß zum Thema Netzhautchirurgie in Wien wurden am 17. und 18. April 1998 allerdings erste Hoffnungsschimmer präsentiert: Die Transplantation von Zellen bzw. Mikrochips unter die Netzhaut, die zumindest in Ansätzen die Wiedererlangung eines gewissen Sehvermögens bewirken sollen.
"Es hat keinen Sinn, Blinden jetzt eine Hoffnung auf Wiedererlangung des Sehvermögens zu verheißen. In den ersten derartigen Behandlungen an Menschen erreichte vielleicht ein Drittel der Betroffenen wieder eine Unterscheidungsfähigkeit zwischen Hell und Dunkel", erklärte Univ.-Prof. Dr. Susanne Binder, Vorstand der Augenabteilung am Krankenhaus Rudolfstiftung in Wien und Präsidentin des heute, Freitag, von Gesundheitsstadtrat Sepp Rieder eröffneten Kongresses im Marriott-Hotel in Wien.

Dort versammeln sich rund 300 Spezialisten aus aller Welt, um die Fortschritte auf dem Gebiet der Behandlung von degenerativen Netzhauterkrankungen mittels chirurgischer Eingriffe zu diskutieren. Susanne Binder: "Ein Beispiel dafür ist die Retinitis pigmentosa, eine vererbbare Netzhauterkrankung. In Österreich sind davon rund 12 000 Menschen betroffen. Sie werden um das 40. Lebensjahr blind." Andere derartige Leiden sind Degenerationserscheinungen der Makula ("Gelber Fleck" der Netzhaut, Anm.). Die Augenärztin: "Das ist die häufigste Ursache für Blindheit bei Menschen über 65."

Die Forschung arbeitet für diese Krankheitsbilder an zwei Lösungsmöglichkeiten. Susanne Binder: "Man versucht, Netzhautzellen zu transplantieren." Die Zellen stammen von Föten. Sie werden unter die Netzhaut eingebracht. Weil dort in einem kleinen Bereich keine Immunzellen vorhanden sind, gibt es auch keine Abstoßungsreaktion. Ein anderer Ansatz: Es werden Netzhaut-Sinneszellen – Zäpfchen und Stäbchen - transplantiert.

Die Wiedererlangung vollständigen Sehens ist buchstäblich nicht in Sicht. Die Tagungspräsidentin: "Ein indischer Wissenschaftler hat in einer ganz kleinen Studie mit zwölf bis 14 Patienten bei drei Personen etwas bewirkt."

High-Tech von den Grundlagen her ist die Implantierung von einem ein mal drei Millimeter großen Mikrochip unter die Netzhaut bei solchen Patienten. Susanne Binder: "Hier werden in der BRD rund zehn Milliarden DM investiert. Gearbeitet wird daran in Tübingen, Köln und Aachen." Diese Mikrochips sollen über elektrische Impulse bei Patienten vorhandene intakte Nervenzellen der Netzhaut anregen und zu einer gewissen Funktion bringen.

Doch das alles sind nicht mehr als Hoffnungsschimmer auf einen "Schimmer" an Sehvermögen für Betroffene. Die Wissenschaftlerin: "Wichtig ist, daß wir hier über Möglichkeiten sprechen, die sich vielleicht einmal – nicht vor drei bis acht Jahren – ergeben werden." Das alles sei noch Wissenschaft und keinesfalls bereits anwendbare Realität.

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