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Urzeit: Die Urahnen der fliegenden Monster

Pterosaurier waren die größten flugfähigen Lebewesen aller Zeiten. Sie beherrschten 150 Millionen Jahre den Himmel. Doch wer waren ihre Vorfahren?
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Flugsaurier beherrschten 150 Millionen Jahre den Luftraum, bevor sie zusammen mit den Dinosauriern am Ende der Kreidezeit vor 66 Millionen Jahren ausstarben. Arten wie der Quetzalcoatlus oder der erst in jüngerer Vergangenheit beschriebene Hatzegopteryx aus Transsilvanien in Rumänien gehörten zu den größten flugfähigen Tieren, welche die Erde jemals bewohnt haben. Von welchen Vorfahren die Pterosaurier jedoch abstammen, ist bis heute unbekannt. Martín Ezcurra vom Museo Argentino de Ciencias Naturales »Bernardino Rivadavia« in Buenos Aires und Co legen in »Nature« eine Studie vor, die zumindest die Lücke im Stammbaum ein wenig schließen könnte. Die Lagerpetidae könnten demnach eine Schwestergruppe zu den Giganten der Lüfte sein, was die Suche nach einem gemeinsamen Vorfahren vereinfachen dürfte.

Diese kleinen, auf zwei Beinen laufenden Reptilien galten bislang als eng mit den Dinosauriern verwandt, während die nahe Verbindung zwischen den Dinos und den Flugsauriern eher angezweifelt wird. Ezcurra und sein Team haben deshalb die versteinerten Überreste von Lagerpetidae und Pterosauriern im Tomografen untersucht, 3-D-Modelle der Skelette erstellt und einzigartige, gemeinsame Eigenschaften bei beiden Gruppen festgestellt. Sowohl die nicht flugfähigen Lagerpetidae als auch die Flugsaurier besaßen ein gleich geformtes Innenohr. Und die Schädel legen nahe, dass sie jeweils über gemeinsame sensorische Eigenschaften wie einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn verfügten, die sich also schon in einem Urahnen beider Gruppen gebildet haben müssen. Länge und Anatomie der Knochen der Lagerpetidae ähnelten wiederum sowohl jenen der Dino- als auch der Pterosaurier.

Zu Hilfe kam den Paläontologen, dass in den letzten Jahren zahlreiche neue Fossilien beider Gruppen gefunden wurden, die sie untersuchen konnten. Der technologische Fortschritt ermöglichte es zudem, die vorhandenen Schädel zerstörungsfrei zu durchleuchten und damit deren Struktur zu enthüllen. Die neuen Erkenntnisse zeigen insgesamt, dass Lagerpetidae, die vor 237 bis 210 Millionen Jahren lebten, und Pterosaurier mehr miteinander gemeinsam haben als mit den Dinosauriern. Das könnte die Verwandtschaftsverhältnisse der Urzeit ziemlich durcheinanderwirbeln.

Allerdings bleiben auch noch große Lücken. Denn manche Schlüsseleigenschaften der Flugsaurier sind bei ihren älteren Verwandten nicht angelegt, etwa die Flügel oder Knochenstrukturen, die dazu führen würden. Fossilien aus der Frühzeit der Pterosaurier sind noch Mangelware. Und ebenso wie sich die Giganten dann später überhaupt in die Lüfte schwingen konnten, gehört zu den ungelösten Fragen der Wissenschaft. Sobald es möglich ist, wollen die Paläontologen daher wieder ins Gelände zurückkehren, um neue Fossilien zu sammeln.

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