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Erster Nachweis von Rechts-links-Präferenz: Fossilien mit Seitenvorliebe

Das urzeitliche Tier Spriggina floundersi hat sich bevorzugt nach rechts gebogen, wie Fossilien zeigen. Es stellt den ältesten bisher bekannten Nachweis von Seitenpräferenz dar. Diese hat sich somit früher in der Evolution entwickelt als bisher angenommen.
Nahaufnahme eines Fossils in einem Gestein, das die Form eines länglichen, segmentierten Organismus zeigt. Die Oberfläche des Gesteins ist rau und weist natürliche Farbvariationen in Brauntönen auf. Das Fossil ist horizontal ausgerichtet und hebt sich durch seine feinen, parallelen Linien von der umgebenden Gesteinsstruktur ab.
Ein Fossil von Spriggina floundersi, gefunden in Südaustralien. Da diese Fossilien spiegelbildliche Abdrücke der ursprünglichen Tiere sind, entspricht hier eine Linksbiegung im Gestein einer Rechtsbiegung des lebenden Organismus.

Bei bilateralsymmetrischen Lebewesen, deren Körper also zwei spiegelbildliche Hälften aufweist, ist die Links-rechts-Präferenz weitverbreitet. So schreiben wir Menschen bevorzugt mit der rechten Hand, nähern uns beim Küssen mit rechtsgeneigtem Kopf, Katzen schlafen lieber auf ihrer linken Seite. Nun gelang einem US-Forschungsteam der bislang früheste Nachweis dieses Verhaltens. In »Scientific Reports« beschreibt es Fossilien eines Tiers, das offenbar eine Vorliebe dafür hatte, sich nach rechts zu biegen.

Hierbei geht es um Spriggina floundersi, einen Organismus aus dem Ediacarium, der vor etwa 550 Millionen Jahren auf dem Grund von Gewässern lebte. Er wird zumeist als Gliederfüßer, manchmal auch als früher Vertreter der Ringelwürmer eingeordnet. Es handelt sich zudem dabei um eines der frühesten bekannten Tiere mit bilateraler Symmetrie.

Die Fachleute um Scott Evans vom American Museum of Natural History in New York und Mary Droser von der University of California in Riverside untersuchten mehr als 100 außergewöhnlich gut erhaltene Exemplare der Art. Sie alle stammten aus den australischen Fossillagerstätten bei Nilpena und den Sammlungen des South Australia Museum in Adelaide. 70 Prozent der betrachteten Fossilien zeigten eine Biegung entlang der Längsachse. Ungefähr doppelt so viele waren nach links gebogen. die anderen nach rechts. Da diese Fossilien spiegelbildliche Abdrücke der ursprünglichen Tiere sind (beim Spalten des Steins entstehen zwei Hälften, die eine zeigt das Fossil, die andere den Hohlraum), entspricht eine Linksbiegung im Gestein einer Rechtsbiegung des lebenden Organismus. 

Feldarbeit |

Das Forschungsteam war in den Flinders Ranges und der umliegenden Region in Südaustralien tätig. Ausgrabungen einzelner Schichten im Nilpena Ediacara Nationalpark legen Gemeinschaften der Ediacara-Biota frei, die während Sturmereignissen verschüttet wurden und so Momentaufnahmen des Meeresbodens vor 550 Millionen Jahren liefern.

Dass die Biegung das Ergebnis äußerer Kräfte war (etwa durch Strömungen), halten die Forschenden für unwahrscheinlich. In diesem Falle müssten Exemplare, die nebeneinander in derselben Sedimentschicht lagen, eine übereinstimmende räumliche Orientierung aufweisen, was nicht der Fall war. Die Variabilität in den Biegungen spreche vielmehr für aktive Bewegung.

»Wenn wir darüber sprechen, ob jemand rechts- oder linkshändig ist, denken die meisten wohl daran, wie sie einen Bleistift halten oder einen Fußball treten. Aber unsere Forschung zeigt, dass ein Tier ohne Hände oder Füße, das vor über 500 Millionen Jahren lebte, seine eigene Version von Händigkeit gehabt haben könnte«, sagte Scott Evans in einer Pressemeldung.

Die Autoren betonen auch, dass die Entdeckung Hinweise darauf liefert, wie Spriggina die Welt wahrgenommen haben könnte: »Wir wissen, dass lebende Tiere mit dieser Art von Händigkeit, von Insekten über Oktopusse bis hin zu Vögeln und Säugetieren, komplexe sensorische Fähigkeiten besitzen«, sagt Evans.

  • Quellen

Evans, S. et al., Scientific Reports 10.1038/s41598–026–53 857-x, 2026

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