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Vorurteile: Fotos dunkelhäutiger Menschen wecken negative Assoziationen

Amygdala
Beim Anblick afro-amerikanischer Gesichter schlagen bestimmte Hirnzentren Alarm – und zwar unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit des Betrachters. Zu diesem überraschenden Ergebnis kamen Wissenschaftler aus den USA, als sie elf weiße und acht farbige Amerikaner mit Gesichtern unterschiedlicher Hautfarbe konfrontierten.

Testfotos | Die Versuchspersonen sollten aus den beiden unteren Fotos wählen, welche Hautfarbe die oben abgebildete Person hat. Bilder von Afro-Amerikanern lösten dabei eine verstärkte Aktivität der rechten Amygdala aus – und zwar sowohl bei weißen als auch bei farbigen Versuchspersonen.
Bekannt war bereits, dass das Foto eines Farbigen die Amygdala eines Weißen aktiviert. Diese Hirnregion gilt als zentrale Schaltstelle, bei der einlaufende Informationen mit Emotionen verbunden werden. Insbesondere regt sie sich bei neuen oder als bedrohlich empfundenen Sinneseindrücken – wie beispielsweise beim Anblick von Menschen anderer Hautfarben, bei dem unbewusst Ängste ausgelöst werden können.

Die gleichen Hirnaktivitäten traten jedoch auch bei Farbigen auf, wenn sie Fotos ihrer eigenen Ethnie betrachteten, wie die Experimente mit funktioneller Magnetresonanztomografie der Forscher um Matthew Lieberman von der Universität von Kalifornien jetzt zeigten. Dagegen blieb die Amygdala der Afro-Amerikaner – wie die der Weißen – verhältnismäßig ruhig, wenn sie Bilder von weißhäutigen Personen sahen.

Da der Anblick eines Farbigen für einen Afro-Amerikaner nicht neu sein kann, vermuten die Forscher, dass sich hier kulturell erlernte negative Assoziationen gegenüber farbigen Mitbürgern offenbaren, die selbst vor den Angehörigen derselben Hautfarbe nicht Halt machen. Allerdings gebe es eine alternative Erklärung für die Aktivität der Amygdala afro-amerikanischer Probanden bei Gesichtern gleicher Ethnie, schränken die Forscher ein: In ihr könnte sich ebenso die positive Folge beim Anblick eines vertrauten Seinesgleichen widerspiegeln. Dies halten die Wissenschaftler auf Grund weiterer Kontrollversuche allerdings für weniger wahrscheinlich.

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