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Infektionskrankheiten: Frau frei von HIV nach Stammzelltransplantation

Bei einer HIV-positiven Krebspatientin haben Mediziner geschafft, was bislang nur in wenigen Fällen gelungen ist: Seit einer Stammzelltransplantation ist das Virus bei ihr nicht mehr nachweisbar.
Aidsvirus

Mit Hilfe einer speziellen Stammzellbehandlung ist es einer Frau offenbar gelungen, ihre HIV-Infektion zu überwinden. Medizinerinnen und Mediziner stellten den Fall, der als einer von ganz wenigen gilt, bei dem vermutlich eine Heilung von HIV geglückt ist, kürzlich auf einer Fachkonferenz vor.

Die Frau war neben ihrer HIV-Infektion auch an Leukämie erkrankt. Im Anschluss an eine Chemotherapie, mit der zunächst die vom Krebs befallenen Immunzellen abgetötet worden waren, wurden ihr Stammzellen aus Nabelschnurblut transplantiert. Die Zellen verfügten dabei über eine spezielle Mutation, die dafür sorgt, dass ihnen ein bestimmter Rezeptor fehlt, den HI-Viren nutzen, um in Körperzellen einzudringen. Die Idee dahinter: Indem man das Immunsystem erst zerstört und anschließend mit solchen Zellen wieder neu aufbaut, soll es quasi immun gegen HIV werden. Bei der Patientin ging diese Rechnung auf: Auch rund 14 Monate nach Absetzen ihrer antiretroviralen Medikamente, die die Vermehrung der Viren normalerweise unterdrücken, kann bei ihr kein HIV mehr nachgewiesen werden, wie das Team um Yvonne Bryson von der University of California in Los Angeles und Deborah Persaud von der Johns Hopkins University in Baltimore berichtet.

Für Menschen ohne Krebserkrankung sei diese Therapie allerdings nicht geeignet, sagte Norbert Brockmeyer, Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft – Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit (DSTIG), der Deutschen Presse-Agentur. »Da gibt es immer noch eine Todesrate von 10 bis 15 Prozent, das heißt, das kann man nicht wirklich einem HIV-Patienten anbieten, der nicht an Blutkrebs erkrankt ist.«

Die »New Yorker Patientin« ist bislang die dritte Patientin, bei der das Virus mit einer Stammzelltherapie zurückgedrängt werden konnte. Der erste Patient, ein Mann, der in Berlin behandelt wurde, lebte insgesamt zwölf Jahre ohne HIV, bevor er im September 2020 schließlich an Leukämie starb. Ein Mann aus London ist mit der Methode seit 30 Monaten frei von HIV. Die Ergebnisse würden darauf hindeuten, dass eine Therapie mit modifizierten Stammzellen eine valide Option für HIV-positive Menschen sein könnte, die auf Grund einer anderen Erkrankung ohnehin auf eine Stammzelltransplantation angewiesen sind, schreibt die Gruppe um Bryson und Persaud.

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