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Verkehrssicherheit: Freisprechanlagen lassen junge Autofahrer alt aussehen

Wer beim Autofahren über seine Freisprechanlage kommuniziert, zeigt eine erheblich verzögerte Reaktionszeit beim Bremsen, braucht länger, bis er die Geschwindigkeit des fließenden Verkehrs wieder erreicht hat, und hält größeren Abstand. In einem Vergleich von 18- bis 25-jährigen und 65- bis 74-jährigen Fahrern reagierten die jungen Teilnehmer im Fahrsimulator während des Telefonierens genauso langsam wie die älteren, wenn diese nicht sprachen. Auch bei der älteren Gruppe kam es durch die Ablenkung zu verzögerten Reaktionen, jedoch nicht im selben Ausmaß, berichten David Strayer von der Universität von Utah und seine Kollegen.

Die Wissenschaftler hatten mit den Freiwilligen während zehnminütigen Testfahrten im Simulator die Hälfte der Zeit über eine Freisprechanlage gesprochen und dabei deren Reaktionen auf plötzlich aufleuchtende Bremslichter erfasst. Ohne Ablenkung brauchten die zwanzig jungen Fahrer für den Tritt aufs Bremspedal durchschnittlich 780 Millisekunden, während eines Gesprächs aber 912 Millisekunden und damit so lang wie die zwanzig älteren ungestörten Teilnehmer. In sechs Fällen kam es zu einem "Auffahrunfall", wobei vier davon bei Freisprechanlagenbenutzung geschahen. Dabei waren jüngere Fahrer häufiger betroffen als ältere. Strayer führt dies auf die generell vorsichtigere Fahrweise, mehr Routine und den größeren Abstand zurück, die sich bei den älteren Teilnehmern beobachten ließ.

Strayer und seine Mitarbeiter hatten bereits 2001 festgestellt, dass Freisprechanlagen genauso stark vom Verkehrsgeschehen ablenken wie in der Hand zu haltende Handys. 2003 konnten sie dies in einer Studie auf eine "Aufmerksamkeitsblindheit" zurückführen, die dazu führt, dass Autofahrer ihre Umgebung zwar sehen, die Informationen aber auf Grund der konkurrierenden Aufmerksamkeit für das Sprechen am Handy oder der Freisprechanlage nicht richtig verarbeiten.

Gerade junge, aber auch Fahrer über sechzig Jahre sind am stärksten unfallgefährdet.

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