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Nahrungskette: Fressfestival endet mit Hai-Mahl

In der Tiefsee ist Nahrung rar. Deshalb muss man in kurzer Zeit möglichst viel verschlingen - das gilt auch für Hai-Jäger, wie ein Video zeigt.
Wrackbarsch mit Hai im MaulLaden...

Am 2. Juli 1943 versenkte ein deutsches U-Boot den US-Öltanker »SS Bloody Marsh« rund 130 Kilometer vor der Küste des Bundesstaats South Carolina: Bis heute wurde das Wrack nicht aufgespürt, doch geht von ihm eine potenzielle Gefahr für die Umwelt aus – nach Jahrzehnten im Salzwasser könnte sich Rost so weit durch die Stahltanks gefressen haben, dass die Ölladung ins Meer sickert. Die »Bloody Marsh« gehörte deshalb zu den potenziellen Zielen des Forschungsschiffs »Okeanos Explorer« der US-Wetter- und Meeresbehörde NOAA, als es 2019 den Tiefseeboden vor der Ostküste des Landes erkundete. Den havarierten Tanker fanden die beteiligten Forscher zwar nicht, dafür wurden sie Zeugen eines besonderen Schauspiels in der Tiefsee, wie sie in ihrem Blog berichten: Über die Kameras eines Tauchroboters erlebten sie live, wie die Nahrungskette in lichtlosen 450 Metern Tiefe funktioniert.

Während einer Erkundungsfahrt stieß das ferngesteuerte Gerät auf den Kadaver eines 2,5 Meter langen Schwertfisches, an dem ein gutes Dutzend kleiner Haie hektisch fraßen. Es handelte sich um zwei Arten an Schlafhaien – aus der Ordnung der Dornhaie –, die normalerweise gemächlich durch die Tiefsee schwimmen und dort auf Beute lauern. Sie verschmähen aber auch Aas nicht, wie der Film zeigt. Dann können sie sich auch in größeren Gruppen versammeln, wahrscheinlich angelockt durch schwache chemische Spuren im Wasser oder durch die von ihren Artgenossen ausgelösten Vibrationen.

© NOAA Office of Ocean Exploration and Research
Fressfestival in der Tiefsee

Dabei können die Haie dann allerdings selbst zur Beute werden, wie das Video weiter zeigt. Unbemerkt von den fressenden Fischen nähert sich ein großer Atlantischer Wrackbarsch (Polyprion americanus), der schließlich einen der Haie fängt und verschlingt (ab Minute 1:42 zu sehen). Exemplare dieser Art werden bis zu zwei Meter groß und halten sich oft im Umfeld von Unterwasserhöhlen oder Wracks auf, wo sie aus dem Versteck heraus Jagd machen. Innerhalb weniger Momente hat der Fisch sein Opfer verschlungen. Nach Angaben der Wissenschaftler hat der Wrackbarsch womöglich sogar den Tauchroboter genutzt, um sich in dessen Umfeld an die Schlafhaie »anzuschleichen«.

Über die Todesursache beim Schwertfisch können die Biologen nur spekulieren. Er wies keine ersichtlichen Verletzungen mehr auf, genauer gesagt hatten ihn die Aasfresser bereits gut zerlegt. Angelhaken oder eine Harpune konnten sie ebenfalls nicht entdecken. Er starb also vielleicht an Altersschwäche oder einer Krankheit – für die Tiefseebewohner bildete sein Körper jedoch eine begehrte Oase in der sonst nahrungsarmen Tiefsee.

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