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News: „Froschgift“ gegen Schmerzen

Morphine sind sehr wirksame Schmerzmittel. Aus der Haut eines südamerikanischen Frosches kann eine Substanz gewonnen werden, die sogar besser gegen Schmerzen wirkt aber ebenfalls schwerwiegende Nebenwirkungen hervorruft. Nun wurde ein Derivat entwickelt, welches im Tierversuch ohne schädliche Seiteneffekte sowohl gegen akute als auch chronische Schmerzen eingesetzt werden kann.
Das Schmerzmittel basiert auf einem Wirkstoff, der aus der Haut eines in Ecuador beheimateten Pfeilgiftfrosches (Epipedobates tricolor) stammt. 1976 entdeckte John Daly vom National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases den Stoff namens Epibatidin. Im Tierversuch mit Mäusen erwies er sich als 200mal so effektiv wie Morphin bei der Schmerzblockade. Doch verursachte er auch schwerwiegende Nebeneffekte bis hin zum Tod. Etwa zehn Jahre später wurde in Dalys Labor durch Untersuchungen mittels Magnetresonanzspektroskopie festgestellt, daß die Struktur des Epibatidins der des Nikotins ähnelt. Weitere Experimente zeigten, daß der Wirkstoff denselben Rezeptor – den nicotinischen Acetylcholin-Rezeptor – beeinflußt.

In seiner Struktur ähnelt Epibatidins außerdem einigen Stoffen, die von dem Neuropharmakologen Stephen Arneric und seinen Kollegen von den Abbott Laboratories bei der Behandlung der Alzheimerschen Krankheit eingesetzt werden. Durch die Untersuchungen von John Daly aufmerksam geworden, beschäftigten sie sich mit der Entwicklung eines Derivates, welches nur die positive Eigenschaft der Schmerzbeseitigung besitzt.

Nun konnte die Gruppe um Arneric zeigen, daß eine Variante des Epibatidins – das ABT-594 – bei Ratten ebenso effektiv gegen akute und chronische Schmerzen eingesetzt werden kann wie Morphium. Mit Hilfe von Elektroden im Rückenmark der Ratten konnten die Wissenschaftler feststellen, daß die Droge die Nervenzellen daran hindert, auf gesundheitsschädliche mechanische und thermische Reize zu reagieren. Die Fähigkeit der Zellen, auf Berührungen und mäßige Hitze zu antworten, bleibt jedoch erhalten. Außerdem wird nach Auskunft von Arneric die Atmung weniger behindert, und statt einer Beruhigung der Tiere tritt eine Aufmunterung ein. In zumindest einer Testreihe weisen die Ergebnisse außerdem darauf hin, daß ABT-594 nicht suchterzeugend wirkt.

Die Frage, die sich für die Zukunft stellt, ist aber, inwieweit der Stoff auch beim Menschen sicher und effektiv einsetzbar ist. Zum Beispiel kann nach Meinung anderer Wissenschaftler der Wirkungsmechanismus von ABT-594 vielleicht zu anderen Formen von Abhängigkeit führen. Die Abbott Laboratories haben bereits erste Versuchsreihen in Europa gestartet.

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