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News: Froschmißbildungen nur durch Parasitenbefall?

Vor bald vier Jahren sorgte die Entdeckung von mißgebildeten Fröschen für helle Aufregung. Zunächst nur in den USA, bald jedoch auf der ganzen Welt. Das Phänomen wurde als Vorbote einer drohenden Umweltkatastrophe gedeutet. So mancher machte durch den Menschen verursachte Umwelteinflüsse für die Entstellungen verantwortlich. Dann mehrten sich jedoch die Hinweise darauf, daß Parasiten die Fehlbildungen verursachen. Diese Ansicht gilt inzwischen als gesichert. Aber nicht alle Deformationen bei Fröschen, Kröten und Salamandern gehen auf die Kappe der Schmarotzer.
Die Anomalien betreffen anscheinend regellos die verschiedenen Amphibiengruppen in den Bundesstaaten der USA und Kanada. Zunächst machte man das Ozonloch dafür verantwortlich. Dann fanden Wissenschaftler heraus, daß Pestizide und ihre Abbauprodukte erbgutschädigend wirken und die Embryonalentwicklung der Amphibien stark beeinträchtigen können. Im Frühjahr 1999 endlich enthüllten Forscher, daß Parasitenbefall die Entwicklung der Gliedmaßen durcheinanderbringt.

Ein Team unter der Leitung von Pieter Johnson vom McKenna College in Claremont untersuchte daraufhin im folgenden Sommer 103 Seen in den nordwestlichen Staaten der USA. In 42 Gewässern fanden die Forscher mißgebildete Frösche. Sie konnten nachweisen, daß der Plattwurm Riberoria trematodes in 40 dieser Gewässer für die Anomalien der Extremitäten verantwortlich ist, bei den übrigen zwei ist die Ursache unklar.

Mit diesen Trematoden infizierte Kaulquappen zeigten beim Heranwachsen im Labor dieselben Deformierungen wie ihre Artgenossen im Freiland. Riberoria trematodes gräbt sich in die Hinterläufe der heranwachsenden Amphibien und zerstört dort die Ordnung der Knospenzellen, aus denen sich die Extremitäten herausbilden. Also endlich ein Freispruch für die Menschen?

Mitnichten. Zuvieles ist noch ungeklärt. Beispielsweise die Frage nach der Ursache für die offenbar erheblichen Schwankungen in der Trematoden-Population. Außerdem ist nicht gesichert, worin die Ursache für die Verkrüppelungen in den beiden anderen Seen besteht. Für Pieter Johnson ist der Fall auch noch nicht abgeschlossen. Für ihn steht fest, daß es neben dem Parasitenbefall weitere Faktoren geben muß, die zu den beobachteten Verstümmelungen in den trematodenfreien Seen führten.

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