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Tiere im Klimawandel: Wenn Frösche heiße Liebeslieder quaken

Erwärmt sich ein Teich nur um ein paar Grad, klingen die Männchen einer kalifornischen Froschart plötzlich »sexy«. Das Signal an die Frauenwelt: Wetter gut, Paarung jetzt! Das könnte Folgen für das Überleben dieser Amphibien haben.
Ein Pazifischer Laubfrosch (Pseudacris regilla) sitzt auf einem Ast. Der Frosch hat braune, gemusterte Haut und große, auffällige Augen. Der Hintergrund ist dunkel, was den Frosch hervorhebt.
Je wärmer das Wetter, desto schneller quakt der Froschmann – und signalisiert angebeteten Damen damit, dass der optimale Zeitpunkt zur Fortpflanzung gekommen ist. Das Bild zeigt den Pazifischen Laubfrosch (Pseudacris regilla). In der Studie wurden verwandte, weiter südlich lebende Frösche (P. sierra, früher auch P. regilla genannt) beobachtet, die äußerlich kaum voneinander unterscheidbar sind.

Je milder die Tage im Frühling werden, desto liebestoller werden Froschmänner offenbar. Der Sierra-Laubfrosch (Pseudacris sierra) jedenfalls quakt mit zunehmender Teichtemperatur immer schneller, wie Julianne Pekny von der University of California (Davis) in einer Feldstudie beobachtete. Der männliche Frosch versuche die Weibchen nicht nur mit schönem Gequake davon zu überzeugen, dass er der fitteste Sexpartner ist. Vielmehr signalisiere er über die Quak-Frequenz auch den besten Zeitpunkt zur Kopulation, quasi ein: »Ich bin so weit, und die Temperatur passt auch!« Die immer frühere Erwärmung der Gewässer im Zuge des Klimawandels könnte die Amphibien paarungstechnisch deshalb ziemlich durcheinanderbringen.

Froschquaken bezirzt die Frauenwelt

Wenn die Paarungszeit naht, versammeln sich die Froschmänner in großer Zahl an Teichen und anderen Gewässern und fangen ein bisschen an zu quaken. Die Froschdamen zieren sich noch. »Für ein Männchen ist es am besten, so früh wie möglich am Teich zu sein, bevor die Konkurrenz eintrifft«, sagte Brian Todd, Mitautor der Studie. »Für die Weibchen aber ist es am sinnvollsten, erst dann zu kommen, wenn es wirklich Zeit ist, die Eier abzulegen.« Sind die Temperaturen im Mikrohabitat zu niedrig, überlebt der Nachwuchs möglicherweise nicht.

In den kalten, frühen Wochen des Frühlings beginnen die Paarungsrufe der Froschmännchen eher langsam und schleppend. Kein Wunder, denn die Körpertemperatur des Frosches als wechselwarmes Tier hängt weitgehend von der Außentemperatur ab. Aber sobald sich die Teiche erwärmen, quaken die Männchen plötzlich schneller. »Fast verzweifelt« klinge das irgendwann, sagt Julianne Pekny, Hauptautorin der Studie. Sie ist sich sicher: »Die weiblichen Frösche achten darauf.« Mit einem Mikrofon hatte sie die »kalten« und »heißen« Liebeslieder von 35 Fröschen in zwei Naturreservaten bei verschiedenen Wassertemperaturen aufgezeichnet und genau analysiert.

Klimawandel bedroht Frösche

Was passiert, wenn sich die Gewässer im Frühjahr schneller aufheizen? »Dann kommen die sexier klingenden Rufe der Männchen ebenfalls früher«, erklärt Pekny. Sie vermutet, dass sich die Paarungszeit dann nach vorn verschiebt. Welche negativen Folgen das hat, lässt sich schwer abschätzen. Amphibien sind durch den Klimawandel besonders gefährdet. Rund 41 Prozent aller Amphibienspezies gelten inzwischen als vom Aussterben bedroht.

  • Quellen
Pekny, J. E. et al., Frontiers in Ecology and the Environment, 10.1002/fee.70031, 2026

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