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Hirnforschung: Frühchen empfinden Schmerz

Verschiedene Routine-Prozeduren im Pflege-Alltag lösen bei Frühgeborenen Aktivität in Hirnregionen aus, die bei Erwachsenen mit dem Schmerzempfinden zusammenhängen. Maria Fitzgerald vom University College London und ihre Kollegen schließen darauf, dass die Kleinen tatsächlich auch Schmerzen spüren und verarbeiten. Bislang hielten viele Ärzte und Forscher körperliche Reaktionen der Winzlinge für Reflexe.

Die Wissenschaftler um Fitzgerald hatten 18 Frühgeborene vor, während und nach einer Blutentnahme aus der Ferse mit Infrarotspektroskopie untersucht und einen Anstieg des Blutflusses und Sauerstoff-Gehaltes im somatosensorischen Kortex entdeckt, einer bekannten Schmerz verarbeitenden Hirnregion. Je älter die Kinder wurden, desto empfindlicher zeigten sie sich.

Ob Frühchen bereits wie Erwachsene Schmerz spüren, war umstritten, da sich die entsprechenden Nerven-Netzwerke erst relativ spät in der Embryonalentwicklung – ab der 23. Woche – bilden. Zwar zeigten die Kleinen physiologische, körperliche und Stoffwechsel-Reaktionen, doch war nicht klar, ob die Reize auch wirklich auf höherer Ebene verarbeitet wurden. Dies sei nun der erste direkte Nachweis dafür, erklärt Fitzgerald. Deshalb müsse in der alltäglichen Pflege von Frühgeborenen, die mehrfach am Tag schmerzhafte Untersuchungen über sich ergehen lassen müssten, unbedingt auch eine Schmerzbehandlung eingeschlossen werden. Außerdem bestehe die Gefahr, dass die Schmerzerfahrung die noch nicht abgeschlossene Hirnentwicklung beeinträchtige, schließt die Forscherin.
06.04.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 06.04.2006

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