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Paläontologie: Frühes Säugetier hatte Säbelzähne

Furcht einflößende Eckzähne
Die Entdeckung eines primitiven, aber spezialisierten Säugetiers aus der späten Kreidezeit in Südamerika schließt eine Lücke im frühen Stammbaum der modernen Säuger. Der etwa mausgroße Cronopio dentiacutus besaß ein hochspezialisiertes Gebiss mit eindrucksvollen Eckzähnen und ernährte sich seinem Gebiss zufolge von Insekten. Das von einem Team um Leandro Gaetano von der Universität Buenos Aires entdeckte Tier demonstriert, dass die frühen Säugetiere der Kreidezeit diverser und spezialisierter waren, als man bisher vermutet hat.

Furcht einflößende Eckzähne
Furcht einflößende Eckzähne | Das nur mausgroße Tier konnte mit beeindruckenden Reißzähnen aufwarten.
C. dentiacutus gehört zur heute ausgestorbenen Familie der Dryolestoiden, die im Jura und in der Kreidezeit in Asien, Europa und in großer Zahl in Südamerika lebten. Mit seiner langen, schmalen Schnauze und den dolchartigen Eckzähnen ähnelte es wohl dem Säbelzahneichhörnchen Scrat aus den Filmen der Ice-Age-Serie, dürfte als Insektenfresser allerdings nicht hinter Eicheln hergerannt sein. Außerdem war das Klima der Kreidezeit eher warm.

Scrat, das Säbelzahneichhörnchen
Scrat, das Säbelzahneichhörnchen | Fast wie in der Kreidezeit: Mit seiner langen Schnauze und den Säbelzähnen ähnelt die Comicfigur Scrat dem neu entdeckten Cronopio dentiacutus.
Der gut erhaltene Schädel stammt aus der Candeleros-Formation in Argentinien, in der Forscher bereits zuvor viele Wirbeltier- und Saurierskelette aus dem Cenomanium vor etwa 95 Millionen Jahren gefunden haben. Auf dem Gebiet des damaligen Gondwana ist dies erst der zweite Säugetierschädel aus der Kreidezeit, er schließt eine Fundlücke von 60 Millionen Jahren.

Cronopio gehört zu der Entwicklungslinie, aus der Plazentalier und Beuteltiere hervorgingen, jene jedoch lebten in der Kreidezeit nur auf anderen Kontinenten. In Südamerika dagegen existierte in der Kreidezeit eine endemische Gemeinschaft urtümlicher, aber hochspezialisierter Ursäuger. (lf)
44. KW 2011

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 44. KW 2011

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  • Quellen
Nature 10.1038/nature10591, 2011

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