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Ausbreitung des modernen Menschen : Früheste Spuren des Homo sapiens in Osteuropa

Früheste Spuren des Homo sapiens in Osteuropa
Über die Verbreitung des Homo sapiens in Westeuropa vor rund 40.000 Jahren wissen Forscher inzwischen gut Bescheid. Dagegen bildet der Osten des Kontinents einen weißen Fleck auf der Landkarte – bislang jedenfalls. In einer Höhle bei Buran-Kaya auf der Krim legten Archäologen 32.000 Jahre alte Skelettreste frei, die zudem einiges über die Totenrituale der Altsteinzeit verraten.

Unter den menschlichen Skelettresten ... | ...  befand sich auch dieser Schneidezahn. Die Archäologen bestimmten sein Alter auf 32.000 Jahre.
Die Knochen, deren Alter die Forscher mittels Radiokarbonanalysen bestimmten, sind "die frühesten direkten Beweise für die Präsenz des modernen Menschen in Osteuropa", gab Sandrine Prat vom Laboratoire Dynamique de l'Évolution Humaine in Paris bekannt.

Wie die Anthropologin erklärte, weisen die Knochen außerdem zahlreiche Einkerbungen auf. Offenbar wurden sie mit einem Werkzeug vom Fleisch befreit. Dass die damaligen Höhlenbewohner aber Kannibalen waren, bezweifelt Prat – "die Schnittspuren sind postmortal entstanden". Zwar sei es denkbar, dass man die Toten während des Bestattungsrituals verspeiste, wahrscheinlicher sei aber, dass das Abschaben des Fleischs Teil des Totenkults war.

Die Knochen weisen ... | ... Ritzungen auf, die durch Entbeinen entstanden waren. Ob das Fleisch aber tatsächlich verspeist wurde, ist nicht klar. Wahrscheinlicher ist, dass die Knochen rituell gereinigt wurden.
Die Funde aus Buran-Kaya sind zudem die ältesten bekannten Belege für derartige Bestattungssitten. Ähnliches kannten Archäologen bislang nur aus Südfrankreich: Die dort entdeckten menschlichen Knochen mit Schnittspuren sind aber rund 1000 Jahre jünger.

Katharina Bolle

PloS One 6.6, 2011
doi:10.1371/journal.pone.0020834

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