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Südchina

Früheste Tontöpfe noch älter

Frühste Tontöpfe entstanden vor 20 000 Jahren

Die ersten Töpfer der Menschheitsgeschichte lebten im Süden Chinas. Dort begannen sie vor rund 18 000 Jahren, aus Ton Gefäße zu formen – so seit 2009 die einhellige Forschermeinung. Doch dieses Datum bedarf nun einer Korrektur. Neuere Radiokohlenstoffdatierungen ergaben, dass die bislang frühesten Keramikscherben bis zu 2000 Jahre älter sind. Sie stammen aus Xianrendong, einer Höhle in der südchinesischen Provinz Jiangxi.

Die frühsten Tonscherben
Die frühsten Tonscherben … | … sind innen wie außen mit parallelen Furchen überzogen. Wie die Forscher um Xiaohong Wu vermuten, hatte man die Wandung der Gefäße mit Grashalmen geglättet.

Archäologen hatten dort bereits in den 1990er Jahren knapp 300 Tonfragmente ausgegraben, konnten sie aber bislang nicht sicher datieren. Jüngst legten Forscher um Xiaohong Wu von der Peking University die Fundschichten erneut frei, um Proben für eine Radiokohlenstoffanalyse zu sammeln. Zum Vergleich nahmen die Forscher auch Knochenfragmente und Holzkohle aus früheren Grabungen hinzu. Ergebnis der Studie: Die tiefsten Schichten mit Keramikresten konnten die Wissenschaftler auf ein Alter von 19 000 bis 20 000 Jahren bestimmen. Die Höhle selbst hatte der Mensch allerdings bereits vor zirka 29 000 Jahren das erste Mal aufgesucht.

"Xianrendong bezeugt, dass in Ostasien Jäger und Sammler schon rund 10 000 Jahre lang Tongefäße nutzten, bevor sie sich schließlich niederließen und mit dem Anbau von Pflanzen begannen", so der Archäologe Xiaohong und seine Kollegen. Zum Vergleich: Im Nahen Osten stellten die Menschen erst zirka 3000 Jahre nach der "neolithischen Revolution" Tongefäße her.

In der Schicht
In der Schicht … | … zwischen #5 und #6 lagen die frühesten Keramikscherben. Sie sind bis zu 20 000 Jahre alt. Darunter reichen die Radiokohlenstoffdatierungen bis ins 29. Jahrtausend vor heute zurück. Seitdem bewohnten Menschen die Xianrendong-Höhle mit Unterbrechungen bis um 12 000 Jahre vor heute.

Brandspuren an zahlreichen Scherben aus Xianrendong deuten zudem an, dass die einst kugeligen Töpfe zum Kochen dienten. Dieser Befund ließe noch ein weiteres Fazit zu: "Die Töpferei führte zu einem grundlegenden Wandel in der Ernährungsgeschichte des Menschen." Auslöser seien die sehr trockenen und kühlen Klimaverhältnisse am Ende der letzten Eiszeit gewesen, als es im Süden Chinas bis zu fünf Grad Celsius kälter war als heute. Um dem harschen Wetter standzuhalten, begann man Getreide und Fleisch zu kochen, das um einiges energiereicher als rohe Nahrung ist.

Was die damaligen Wildbeuter zubereiteten, ist noch nicht untersucht. Da die Höhle jedoch große Mengen an zerbrochenen Knochen preisgab, vermuten die Archäologen, dass man Knochenmark und Tierfett gewinnen wollte. Ebenso denkbar wäre, dass die Jäger und Sammler bierähnliche Getränke für festliche Ereignisse brauten. Das Kochen in Tongefäßen könnte somit auch das Zusammenleben in den Steinzeitkulturen entscheidend verändert haben.

Rund 900 Kilometer entfernt in der Yuchanyan-Höhle stießen Archäologen 1993 und 1995 auf ein ähnliches Fundspektrum wie in Xianrendong. Kohlereste und Knochen ergaben 2009 für die Keramikreste ein jüngeres C14-Alter von zirka 18 000 Jahren.

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  • Quellen
Science 336, 2012, S. 1696–1700

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