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News: Frühstart mit Folgen

Die Natur richtet sich nicht immer nach dem Kalender. Auch wenn der Arzt den Geburtstermin ganz genau ausgerechnet hat, manche Babys können es nicht abwarten und kommen schon ein paar Wochen vorher auf die Welt. In vergangenen Zeiten hatten solche 'Frühchen' nur geringe Überlebenschancen - heute werden sie auf der Intensivstation in 'Brutkästen' hoch gepäppelt. Die weitere geistige Entwicklung könnte dennoch gestört sein.
"Die Geburt mit einem Gewicht unter 1 000 Gramm ist die Hauptursache für Entwicklungsstörungen", sagt die Ärztin Laura Ment vom Yale Child Study Center in New Haven. Fast ein Prozent aller Kinder kommt mit diesem Gewicht auf die Welt. Die Überlebensraten dieser Frühgeburten liegen bei über 80 Prozent, doch "die Häufigkeit von Behinderungen ist hoch".

Ment betreute eine Studie, die das Hirnvolumen Frühgeborener untersuchte (Journal of the American Medical Association vom 18. Oktober 2000). Mit Hilfe von Kernspintomographie analysierten sie die Gehirne von insgesamt 25 Kindern im Alter von acht Jahren, die zu früh zur Welt kamen. Die kürzeste Schwangerschaft betrug 26 Wochen. Ihre Daten verglichen sie mit 39 normalen Kindern gleichen Alters, Geschlechts und vergleichbarer Erziehung.

"Die Unterschiede im durchschnittlichen Hirnvolumen waren in allen Hirnregionen dramatisch", sagt Bradley Peterson von der Arbeitsgruppe. Teilweise fanden die Wissenschaftler bis zu 35 Prozent kleinere Hirnareale. Insbesondere die sensomotorischen Regionen des Großhirns war hiervon betroffen. Je früher die Kinder auf die Welt gekommen sind, desto geringer fiel auch ihr Hirnvolumen aus.

Das geringere Hirnvolumen wirkt sich auf die geistige Entwicklung der Kinder aus. "Über 50 Prozent der Achtjährigen besuchen entweder eine Sonderschule oder bekommen Nachhilfe", erläutert Laura Ment, "ein Fünftel haben schon eine Klasse wiederholt." Peterson betont, dass ein geringes Hirnvolumen einen niedrigeren Intelligenzquotienten (IQ) zur Folge hat: "Je größer die Abnormitäten, insbesondere im Großhirn, desto niedriger die IQ-Werte."

Die Ursache für das geringere Hirnvolumen der Frühgeborenen kennen die Wissenschaftler nicht: "Wir müssen jetzt herausfinden, was genau für die Probleme der Hirnentwicklung dieser Kinder verantwortlich ist – von einem fehlenden unbekannten Wachstumsfaktor, zur Abwesenheit des physiologischen Puffers durch den mütterlichen Uterus, bis hin zu vielen medizinischen Problemen, die bei Frühgeburten auftreten." Giovanni Spinella vom National Institute of Neurological Disorders and Stroke sieht ebenfalls weiteren Forschungsbedarf: "Im Endeffekt möchten wir sowohl frühgeborene Kinder vor Hirnschäden schützen als auch bei kognitiven und Verhaltensschwächen eingreifen und sie wirkungsvoll behandeln können."

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