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Paläontologie: Frühzeitige explosionsartige Artenbildung

Noch vor der rasanten Entwicklung tierischen Lebens im Kambrium – der kambrischen Explosion – hat nach Ansicht amerikanischer Paläontologen ein ähnliches Ereignis stattgefunden: Die so genannte Ediacara-Fauna hat sich demnach in geologisch kurzer Zeit zu einer großen Artenvielfalt entwickelt.

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Fractofusus andersoni | Das 565 Millionen Jahre alte Fossil Fractofusus andersoni gehört zur Ediacara-Fauna aus dem späten Präkambrium. Vermutlich fand zu dieser Zeit eine der späteren kambrischen Explosion vergleichbare rasche Entstehung neuer Arten statt.
Zu dieser Erkenntnis kamen die Forscher um Shuhai Xiao vom Virginia Polytech Institute, als sie die morphologischen Eigenschaften von 272 Ediacara-Fossilien analysiert hatten. Dabei zeigte sich eine explosionartige Entwicklung der Formenvielfalt bereits bei den ältesten Fossilien aus der so genannten Avalon-Zeit vor 575 bis 565 Millionen Jahren. Die Wissenschafter bezeichnen daher das Phänomen als "Avalon-Explosion".

Die nach einem Fundort in Südaustralien benannte, präkambrische Ediacara-Fauna besteht aus seltsam aussehenden Flachwasserbewohnern, deren Zuordnung zu heutigen Tierstämmen schwierig ist. Erst zu Beginn des Kambriums vor etwa 540 Millionen Jahren tauchten alle heute bekannten Stämme der wirbellosen Tiere auf. Wegen dieser mehr oder weniger schlagartigen Entwicklung wird dieses Ereignis kambrische Explosion genannt.

Warum es bereits auch im Präkambrium zu einer Artenexplosion kam, bleibt unklar. Ein rascher Anstieg des Sauerstoff-Gehalts im Meerwasser oder die Erwärmung der Ozeane nach einer Eiszeit könnten die Ursachen sein, spekulieren Xiao und seine Kollegen. Die rapide Entwicklung neuer Arten zeige jedoch, dass die Evolution nicht – wie noch von Charles Darwin vermutet – in einem kontinuierlichen Tempo verlaufe, sondern eine sprunghafte Dynamik zeige.

Die Avalon-Explosion scheint allerdings – im Gegensatz zur kambrischen Explosion – ein weit gehend gescheitertes Experiment der Evolution gewesen zu sein: Von der damaligen Formenvielfalt sind heute keine unmittelbaren Nachfahren bekannt. (aj)
05.01.2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 05.01.2008

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