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Krebserkrankungen: Für Prostatakrebs charakteristische Genfusion entdeckt

Patienten mit Prostatakrebs zeigen in vielen Fällen Chromosomenumlagerungen, durch die ein typischerweise in Prostatazellen aktives Gen mit einem weiteren Gen verschmolzen wurde, berichten Arul Chinnaiyan von der Universität von Michigan und seine Kollegen. Als Fusionspartner entdeckten die Forscher zwei Gene, die bereits mit anderen Krebserkrankungen in Verbindung gebracht werden. Sie sind zudem bei Prostatakrebs-Betroffenen zudem übermäßig aktiv.

In gutartigen Prostatawucherungen oder gesundem Prostatagewebe fanden die Forscher die Erbgutveränderung nicht. Sie schließen daraus, dass die Genfusion ein Auslöser der Krebserkrankung ist, indem sie das Ablesen der Krebs-assozierten Gene ankurbelt. Da die Veränderung spezifisch für Prostatakrebs ist, sollte eine Genanalyse eine bessere Diagnose ermöglichen als bisherige Verfahren.

Bisher waren Genfusionen nur von Blut- und Knochenkrebsformen bekannt, beispielsweise in Form des verschmolzenen BCR-ABL-Gens bei chronischer myeloischer Leukämie. Dies ist nun der erste Nachweis einer solchen Veränderung bei so genannten soliden Tumoren, wie sie bei Brust-, Lungen- oder Darmkrebs auftreten. Die Wissenschaftler vermuten, dass auch bei diesen Varianten verschmolzene Gene auftreten, die bislang aber wohl noch nicht entdeckt wurden.

Genfusion | Eine Fluoreszenzmikroskopaufnahme offenbart die Fusion von TMPRSS2 (grün) mit ETV1 (rot) in Prostatakrebsgewebe
Das betroffene Prostata-typische Gen TMPRSS2 kodiert für eine Transmembran- Serinprotease und ist bekannt dafür, bei Prostatakrebs verstärkt aktiv zu sein. Die beiden von Chinnaiyan und Co aufgespürten Fusionspartner ERG und ETV1 gehören zur Gruppe der ETS- Transkriptionsfaktoren, die bei anderen Krebserkrankungen eine wichtige Rolle spielen. Die Forscher vermuten, dass noch weitere Angehörige dieser Gruppe in einer solchen Fusion mit TMPRSS2 auftreten. In 91 Prozent der Fälle, in denen die beiden Transkriptionsfaktor-Gene im Tumorgewebe übermäßig aktiv waren, stellten die Wissenschaftler eine Fusion mit TMPRSS2 fest.

Chinnaiyan und seine Mitarbeiter hoffen, dass sich mit dieser Erkenntnis Wirksubstanzen entwickeln lassen, die spezifisch gegen das fusionierte Genduo vorgehen – ähnlich Glivec, dessen Ziel das verschmolzene Leukämie-Gentandem BCR-ABL ist.

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