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Hirnforschung: Für Zweisprachige klingen Fremdsprachen vertrauter

EEG-Muster zeigen: Das Gehirn von Bilingualen behandelt eine künstliche Fremdsprache schon am ersten Unterrichtstag wie eine Muttersprache.
Kinder an der Tafel

Das Gehirn eines bilingualen Menschen verarbeitet nicht nur zwei Sprachen als Muttersprache, sondern auch neue Fremdsprachen. Das berichtet ein Team um Michael Ullmann von der Georgetown University in der Fachzeitschrift "Bilingualism: Language and Cognition". Der Hirnforscher und seine Kollegen unterrichteten 13 zweisprachige und 16 einsprachige Probanden in "Brocanto2", einer künstlichen Fremdsprache mit einer Grammatik ähnlich der von romanischen Sprachen. Alle Teilnehmer waren in den USA mit Englisch als Muttersprache aufgewachsen, die bilingualen jedoch zusätzlich mit Mandarin.

Zu Beginn und am Ende des einwöchigen Kurses wurde die Hirnaktivität der Sprachschüler mit Elektroden gemessen, während sie der künstlichen Fremdsprache lauschten und etwaige Grammatikfehler entdecken sollten. Schon am ersten Trainingstag zeigte sich im EEG der zweisprachigen Probanden an bestimmten Stellen eine charakteristische Hirnwelle, die "P600", die immer dann auftritt, wenn man die eigene Muttersprache hört. Bei den einsprachigen Schülern ließen sich diese Wellen erst am letzten Tag nachweisen; allerdings fand man bei ihnen auch weiterhin Aktivitätsmuster, die für Muttersprachler untypisch sind. Mit dem Lernfortschritt hing das offenkundig nicht zusammen, denn die beiden Gruppen schnitten bei der Fehlersuche gleich gut ab.

Die Autoren schließen trotzdem daraus, dass Zweisprachigen das Erlernen einer Fremdsprache leichter fällt. Den Monolingualen wäre in diesem Fall womöglich mit einer speziellen Lehrmethode zu helfen, die Fremdsprachen in ähnlicher Weise vermittelt, wie Kinder ihre Muttersprache lernen. Denn Neurowissenschaftler Ullmann und seine Kollegen entdeckten schon vor fünf Jahren: Die für Muttersprachler typischen Hirnwellenmuster erscheinen im EEG zuerst bei jenen Probanden, die mit dieser so genannten Immersionsmethode unterrichtet wurden – die also, ohne explizit Regeln zu lernen, einfach nur zuhörten und nachahmten. Die Unterschiede in der Hirnaktivität blieben sogar noch nach mehreren Monaten erhalten. Demnach beeinflusst nicht nur Zweisprachigkeit, sondern auch die Art des Trainings, wie das Gehirn mit einer Fremdsprache umgeht.

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