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News: Fürs Lernen ein Lächeln

Durch schlichtes Nachplappern erlernen Kleinkinder ihre Muttersprache. Nur durch Nachplappern? Oder beeinflussen die Eltern den Lernerfolg ihrer Schützlinge auch durch ihr Verhalten?
Zärtliche ZuwendungenLaden...
Sprechenlernen ist ein Kinderspiel: Schließlich reden die stolzen Eltern ständig auf ihre Sprösslinge ein ("Schau mal, ein Ball"), und so formen sich durch schlichtes Nachahmen aus einem zunächst ziemlich unverständlichen Gebrabbel nach und nach Vokale und Konsonanten, bis schließlich erste Worte ("Mama", "Papa" oder eben auch "Ball") mehr oder weniger deutlich zu vernehmen sind.

Leider verlieren wir mit zunehmendem Alter die beneidenswerte Fähigkeit, Sprachen durch Nachplappern kinderleicht zu erlernen. Doch beruht diese Fähigkeit wirklich nur auf Nachahmung? Oder spielen auch andere Faktoren beim Spracherwerb eine Rolle?

Andrew King und Meredith West von der Indiana University hatten sich bisher weniger mit der Frage beschäftigt, wie der Mensch das Sprechen lernt. Ihr Forschungsinteresse lag vielmehr auf einem scheinbar gänzlich anderen Arbeitsgebiet: dem Gesang von Vögeln. Etliche Singvögel erlernen das artspezifische Liedgut, indem sie den Gesang ihrer Väter nachahmen. Doch wie die beiden Forscher herausgefunden hatten, spielen die Mütter, die ja selbst nicht singen, hierbei auch eine entscheidende Rolle. Denn deren Verhalten gegenüber den Jungen kann die Qualität des späteren Gesangs der Jungen entscheidend mitbeeinflussen.

Spielt das Sozialverhalten beim Sprechenlernen des Menschen eine ebensolche Rolle? 30 Kleinkinder im Alter von acht Monaten sollten diese Frage beantworten. Zusammen mit Michael Goldstein vom Franklin & Marshall College beobachteten die Forscher die Babys beim Spiel mit ihren Müttern. Dabei gaben sie den Müttern über Kopfhörer genaueste Instruktionen, wie sie sich verhalten sollten: Während die Mütter der ersten Gruppe jeden Sprechversuch ihrer Kleinen sofort durch Lächeln, Näherrücken und zärtliche Berührungen unterstützten, genossen die Kinder der Kontrollgruppe diese Zuwendung mit einer zeitlichen Verzögerung. Dabei gingen die Mütter davon aus, dass sich die Forscher lediglich für das Spielverhalten der Kinder interessierten – und nicht für deren Spracherwerb.

Das Ergebnis war eindeutig: Das Gebrabbel der Kinder, das von ihren Müttern durch ein aufmunterndes Lächeln und ein sanftes Streicheln belohnt wurde, enthielt deutlich mehr Silben und klarere Trennungen von Konsonanten und Vokalen als bei den Babys der Kontrollgruppe. Das soziale Umfeld beeinflusste also entscheidend den Lernerfolg der Kleinen. Sprechen ist eben mehr als einfaches Nachplappern.

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