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News: Fürsorgliche Eltern leben länger

Frauen haben eine höhere Lebenserwartung als Männer. Diese Verteilung des maximalen Lebensalters ist bei vielen Primaten anzutreffen. Sie wird meist so erklärt, daß Weibchen so lange leben müssen, bis ihr Nachwuchs das volle Erwachsenenalter erreicht hat. Bei einigen Primaten überlebt jedoch das Männchen das Weibchen, während es bei anderen keinen Unterschied gibt. Was ist die Ursache für die verschiedenen Lebenserwartungen?
John Allman vom California Institute of Technology in Pasadena und seine Kollegen haben sich die Frage gestellt, warum es geschlechtsspezifische Unterschiede in der Lebenserwartung gibt und warum sich die Muster zwischen den Spezies unterscheiden. Sie stellen die These auf, daß der Elternteil am längsten lebt, der den größten Teil der Last der Fürsorge für den Nachwuchs trägt (Proceedings of the National Academy of Sciences vom 9. Juni 1998, Abstract).

Die Entwicklung der meisten Menschenaffen dauert viele Jahre, was sich hauptsächlich auf ihr großes Gehirn zurückführen läßt. Gewöhnlich wird der Nachwuchs einzeln geboren mit relativ langen Intervallen zwischen den Geburten. Um also eine stabile Population erhalten zu können, müssen die Eltern lange genug leben, damit sie mehrere Nachkommen hintereinander aufziehen können.

Die Forscher glaubten, daß der Grund für die Langlebigkeit nicht in der Schwangerschaft zu sehen ist, sondern im Maße der elterlichen Fürsorge, welche die Mutter oder der Vater dem Nachwuchs angedeihen läßt. Um diese Hypothese zu überprüfen, untersuchten sie die demographischen Daten von Menschen und anderen Primaten.

Für Menschen gibt es seit Ende des achtzehnten Jahrhunderts Unterlagen. Im gesamten erfaßten Zeitraum haben Frauen im Durchschnitt länger als Männer gelebt. Dieser Trend besteht totz riesiger Unterschiede in Sterblichkeitsraten, gesamter Lebenserwartung und Lebenstil zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Kulturen. Er ist zum Beispiel auch in einem gut untersuchten Volk von Jägern und Sammlern in Paraguay nachzuweisen. Nach Ansicht der Forscher deutet dies auf tiefe biologische Wurzeln hin und hat wahrscheinlich damit zu tun, daß menschliche Mütter die größere Last der Erziehung tragen.

Weibliche Orang-Utans, Gorillas und Schimpansen haben einen entsprechend höheren Überlebensvorteil als Menschenfrauen. Dies ist bei Orang-Utans und Schimpansen am ausgeprägtesten, bei denen die Mütter die gesamte elterliche Fürsorge übernehmen. Gorillaweibchen sorgen ebenfalls stark für die Kinder, aber die Väter beschützen ihren Nachwuchs und spielen mit ihm. Auch weibliche Weißhand-Gibbons (Hylobates lar) überleben ihre männlichen Partner. Gibbons leben in Paaren, aber die Weibchen tragen den Nachwuchs umher. Bei Siamangs (Hylobates syndactylus) ist die Rollenverteilung dagegen umgekehrt: Dort leben die Männchen länger. Siamangväter sind die einzigen männlichen Affen, die ihre Kinder tragen.

Bei vielen Affenspezies übernehmen die Mütter den größten Teil der Fürsorge und scheinen dafür länger zu leben als die Männchen. Es gibt nur wenige Beispiele dafür, daß beide Eltern sich die Arbeit teilen. Das ist zum Beispiel beim Goeldi-Affen (Callimico goeldi) der Fall, bei denen männliche und weibliche Tiere fast die gleiche Lebenserwartung haben.

Als Grund für diese Kopplung von Lebensalter und Sorge um die Kinder vermuten die Forscher hormonelle und neurochemische Abläufe, die sich auf die Überlebensfähigkeit des Organismus auswirken.

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