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Thüringen: Fürstliches Wohngebäude aus der Bronzezeit entdeckt

Fürstliches Wohngebäude aus der Bronzezeit entdeckt
Was auf den ersten Blick wenig beeindruckend wirkt, erkannten Archäologen als bedeutenden Fund: Beim thüringischen Dermsdorf legten sie in einem Abstand von etwa zehn Metern zwei dunkle Erdstreifen frei, die auf 44 Meter Länge den Boden durchziehen. Bei den unscheinbaren Verfärbungen handelt es sich aber um die Spuren von Holzwänden eines einst monumentalen Langbaus.

Die dunklen Verfärbungen
Die dunklen Verfärbungen … | … auf dem Boden sind auf den ersten Blick wohl nur für Archäologen sichtbar. Anhand der Spuren konnten die Forscher die Ausmaße des Langbaus rekonstruieren: Mit 44 Metern in der Länge und über 10 Metern in der Breite besaß er eine beachtliche Größe.
Wie Archäologen vermuten, könnte das hallenartige Gebäude dem seit 1877 bekannten "Hügelfürsten" von Leubingen als Wohnsitz gedient haben. Dieser war vor rund 4000 Jahren in unmittelbarer Nähe bestattet worden. Mit einer Fläche von rund 462 Quadratmetern war der Bau "eines der größten urgeschichtlichen Gebäude Mitteldeutschlands", erklärt Mario Küßner vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Die Datierung von Keramikfunden ergab, dass das Langhaus ähnlich wie das Hügelgrab in der frühen Bronzezeit zu Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr. errichtet wurde.

Diese Beile aus Bronze
Diese Beile aus Bronze … | … lagen in einem Tongefäß vor der Stirnseite des Hallenbaus. Ob sie einst als Opfergaben in die Erde gelangten oder dort als Schatz versteckt wurden, ist noch unklar.
Als bedeutend werten die Archäologen auch die Entdeckung eines umfangreichen Bronzehorts vor der Stirnseite des Hauses: Hundert Beile waren dort vielleicht als Opfergabe an eine Gottheit niedergelegt worden. Allgemein dienten solche Objekte aber auch als prestigeträchtige Statussymbole. Küßner nimmt außerdem an, dass der Bewohner des Gebäudes die Handelswege der Region kontrollierte und die Beile vielleicht als eine Art "Transitsteuer" eingezogen hatte.

In Sichtweite der Halle lag unter einem acht Meter hohen Hügel das Grab des Fürsten. Darin ruhte der Verstorbene in einer Grabkammer aus Holz, ausgestattet mit reichlich Keramik, Goldschmuck und Bronzewaffen. Das Hügelgrab von Leubingen war mit einem Durchmesser von 34 Metern das größte seiner Zeit.

Katharina Bolle

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