Fund in ferner Galaxie: Streunendes Schwarzes Loch zerreißt Stern

In einer Galaxie gibt es einige Hundert Milliarden Sterne. Dennoch kommt es erstaunlich selten vor, dass sich einer in die Nähe des zentralen, extrem massereichen Schwarzen Lochs verirrt, dabei geschreddert und vertilgt wird. Das geschieht pro Galaxie nur ungefähr einmal alle 100 000 Jahre. Astronominnen und Astronomen eines Teams um Robert Stein von der University of Maryland, USA, haben im Jahr 2025 mit dem Weltraumteleskop Swift ein solch seltenes Ereignis beobachtet. Allerdings spielte nicht ein Schwarzes Loch im Zentrum einer Galaxie die Hauptrolle, sondern ein vagabundierender Einzelgänger. Die Gruppe veröffentlichte ihren außergewöhnlichen Fund im Fachjournal »The Astrophysical Journal Letters«.
Entdeckt in automatisierter Beobachtung
Wenn ein Stern einem Schwarzen Loch zu nahe kommt, wirken extreme Gezeitenkräfte. Sie sind volumenerhaltend und verformen den Himmelskörper zunächst nur. Mit weiterer Annäherung an die Raumzeitfalle nimmt die Stärke der Kräfte zu, sodass der Stern schließlich zerrissen wird. Im Fachjargon wird dieses Ereignis Gezeitenzerriss (englisch: tidal disruption event, TDE) genannt.
Die Galaxie, in welcher das als TDE 2025abcr katalogisierte Ereignis stattfand, hat die Bezeichnung WISEA J014656.04-152214.7. Sie ist ungefähr 750 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt und befindet sich im Sternbild Walfisch (lateinisch: Cetus). Im November 2025 fiel am kalifornischen Palomar Observatory im Rahmen einer Beobachtungskampagne mit der Zwicky Transient Facility (ZTF) ein signifikanter Helligkeitsausbruch in der fernen Welteninsel auf. Ein KI-basierter Algorithmus identifizierte dieses Flare als TDE.
In der 750 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie WISEA J014656.04-152 214.7 wurde im November 2025 ein deutlicher Helligkeitsanstieg im optischen Spektralbereich beobachtet, der Monate andauerte. Deutlich abseits vom Zentrum der Welteninsel (Kreuz) flammte ein heller Fleck auf (türkisblau). Die Beobachtungsdaten stammen vom Dark Energy Spectroscopic Instrument (DESI) am Mayall Telescope sowie vom Lowell Discovery Telescope, beide in den USA.
Das Team um Stein führte daraufhin eine Nachfolgebeobachtung mit dem weltraumgestützten NeilGehrelsSwiftObservatory der NASA durch. Dabei erhärtete sich der Verdacht, dass bei diesem Ausbruch tatsächlich ein stellarer Gezeitenzerriss stattgefunden haben muss. Die Astronomen staunten nicht schlecht, dass nicht etwa das gewaltige Schwarze Loch im Zentrum einer Galaxie involviert war, sondern ein streunendes, wenn auch nicht minder massereiches Exemplar, das die Außenbezirke der Galaxie durchstreift.
Die Gravitationsfalle schnappt zu
Mit etwas mehr als einer Million Sonnenmassen ist das wandernde Schwarze Loch sehr massereich. Das ist ein Viertel der Masse des zentralen Schwarzen Lochs in unserer Galaxis. Im Zuge der Kollision und der Verschmelzung von Galaxien kommt es dazu, dass auch Schwarze Löcher von diesem Kaliber herumvagabundieren und sich sogar unauffällig in den Randbereichen von Galaxien bewegen können. Erst, wenn eine Interaktion mit Materie geschieht oder ein Stern sich in die Nähe des gefräßigen Einzelgängers verirrt, macht sich der bis dahin unauffällige Geselle bemerkbar. Im Fall von TDE 2025abcr war das Schwarze Loch rund 30 000 Lichtjahre vom Zentrum der Galaxie WISEA J014656.04-152 214.7 entfernt. Der neue Fund legt nahe, dass solche stellaren Katastrophen nun häufiger beobachtet werden könnten, denn Schwarze Löcher abseits von Galaxienzentren treten auch anderswo auf.
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