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Fußball: Wie der WM-Ball Torhüter täuscht

Der bei der Weltmeisterschaft genutzte Ball sieht harmlos aus. Tatsächlich aber verändert sich sein Luftwiderstand um bis zu 13 Prozent, je nachdem welche Seite nach vorne zeigt. Das könnte einige merkwürdige Tore erklären.
Ein Torwart in grüner Ausrüstung springt nach links, um einen Fußball abzuwehren, während ein Spieler in gelbem Trikot mit der Nummer 24 den Ball schießt. Der Hintergrund zeigt ein gespanntes Publikum hinter dem Tor.
Manche Turnierbälle, besonders jener der Weltmeisterschaft 2010, werden wegen ihrer Flugeigenschaften berüchtigt. Je weniger berechenbar die Flugbahn, desto schwerer wird es für Torhüter, Fernschüsse abzuwehren. Hier der schwedische Torhüter Jacob Widell Zetterstrom.

Seit Beginn der Weltmeisterschaft scheitern immer wieder Torhüter an Schüssen, die einfach zu halten sein sollten. Nun bestätigen zwei Forscher die Vermutung von Fachleuten wie dem ehemaligen englischen Torhüter Joe Hart: Es liegt am Ball, genauer gesagt an einem als Widerstandskrise bezeichneten Phänomen. Der WM-Ball Trionda habe keinen einheitlichen Luftwiderstand, berichten Sungchan Hong von der Seoul Women’s University und Takeshi Asai von der University of Tsukuba in Japan. Wie das Team in der Fachzeitschrift »Fluids« schreibt, liegt das daran, dass das Verhalten der umströmenden Luft von der genauen Ausrichtung des Balles abhängt. Tests im Windkanal zeigten, dass die Widerstandskrise, bei der der Luftwiderstand des Balls schlagartig sinkt, früher oder später einsetzt, je nachdem, welche Seite des Balles nach vorn zeigt. Dadurch ist seine Flugbahn für Torhüter schwerer einzuschätzen.

Die Widerstandskrise ist ein aerodynamisches Phänomen, bei dem sich die Strömung der Luft um den Ball schlagartig ändert. Vor diesem Übergang strömt die Luft glatt und gleichmäßig um den Ball, danach löst sich die Strömung von der Oberfläche und wird turbulent – und der Luftwiderstand des gesamten Balls verändert sich. Wegen dieser Besonderheit hängt das Verhalten eines Balles nicht allein von der Form ab. Frühere Studien zeigten insbesondere, dass die Position der Nähte eine zentrale Rolle für das Flugverhalten spielt. Bei der WM 2010 zum Beispiel kam mit dem Jabulani ein Ball ganz ohne Nähte zum Einsatz – und erntete heftige Kritik für sein unberechenbares Flugverhalten. Auch den Trionda untersuchten Fachleute vorab. Dabei erwies sich der Ball allerdings noch als unauffällig. Der Teufel steckt allerdings im Detail.

Trionda unter der Lupe |

Der WM-Ball von 2026 besteht aus vier ungewöhnlich geformten Teilen, die entlang der Nähte verschweißt sind. Daraus ergeben sich zwei verschiedene Seiten, die nach vorn zeigen können. Jede dieser Orientierungen drehten die Fachleute für die Windkanalversuche zusätzlich je um 90 und 180 Grad.

Der Trionda besteht aus vier ungewöhnlich geformten Flächen, die durch feine Schweißnähte getrennt sind. Bei den Versuchen ließen Hong und Asai den Ball einerseits mit einer Fläche, andererseits mit dem Treffpunkt dreier Nähte voran fliegen. Jede Orientierung drehten sie zusätzlich um 90 und 180 Grad, sodass sie insgesamt sechs Orientierungen je dreimal im Windkanal testeten. Nach Angaben der Autoren ist es das erste Mal, dass das aerodynamische Verhalten eines Balles je nach Orientierung untersucht wurde. Das Resultat scheint den Ansatz zu bestätigen. Jede Ausrichtung des Balles führte zur Widerstandskrise, aber eben bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Über die gesamte Flugstrecke hatte jede Orientierung deswegen einen anderen Widerstandsbeiwert – höchster und niedrigster unterschieden sich um immerhin rund 13 Prozent. Entsprechend verschieden schnell fliegen die Bälle: mehr Möglichkeiten für Torhüter, sich zu verschätzen.

Es gibt aber womöglich eine andere, einfachere Erklärung für das Verhalten des Balles. Die Experimente im Vorfeld hatten gezeigt, dass die Widerstandskrise und der Abfall des Luftwiderstandes bei Trionda insgesamt früher stattfinden. Möglicherweise ist der Ball schlicht insgesamt etwas schneller, und Torhüter müssen sich einfach noch daran gewöhnen. Nicht zuletzt ist es durchaus möglich, dass auch andere Bälle je nach Orientierung etwas anders fliegen – geprüft hat das noch niemand. So oder so könnte der Ball eine andere Seltsamkeit zumindest zum Teil erklären: Mit bisher durchschnittlich rund 2,9 Toren pro Spiel fielen bisher deutlich mehr Tore als bei den Weltmeisterschaften zuvor, sondern auch mehr, als anhand der Torchancen statistisch zu erwarten gewesen wäre. Aus Sicht des Publikums gibt das etwas ungewöhnliche Verhalten des Trionda also bisher wenig Anlass zur Klage.

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  • Quellen

Hong, S. et al., Fluids 10.3390/fluids11050128, 2026

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