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Tipps für fitte Füße: »Auf die Fußmuskeln wirken feste Schuhe wie ein Korsett«

Füße tragen uns durchs Leben – und doch beachten wir sie kaum. Dabei sind sie hochsensibel und leiten uns wie ein Autopilot. Wie wir sie fit halten und für wen Barfußlaufen zu empfehlen ist.
Ein Paar Beine in blauen Jeans ragt aus dem Fenster eines Autos, das auf einer ländlichen Straße fährt. Die Umgebung ist grün und sonnig, was eine entspannte und sommerliche Atmosphäre vermittelt. Im Bild ist ein Wasserzeichen mit dem Text "dpa picture alliance" sichtbar.
Freie und bewegliche Zehen sind die Basis für einen gesunden Fuß.

Sie leisten Schwerstarbeit, sind trotzdem filigran und sensibel – und werden von uns kaum beachtet. »Die Menschen kümmern sich um Haut, Bizeps und Rücken, aber Füße werden oft gering geschätzt«, sagt Stefan Rammelt, Leiter des Zentrums für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie am Universitätsklinikum der TU Dresden. »Wohl weil sie ganz unten am Körper sind.«

Verkannt wird meist, welch hochkomplexes Gebilde der Fuß ist: 26 Knochen, 33 Gelenke und über 100 Bänder, dazu um die 75 000 Nervenenden. Mit diesen empfinden wir Kälte, Wärme, Schmerz, Druck, Berührung. »Es verlaufen deutlich mehr Nervenfasern von den Füßen in die Hirnrinde als von viel größeren Körperteilen wie Oberschenkel oder Rücken«, sagt Rammelt, der Präsident der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk ist. »Der Fuß ist tatsächlich auch ein wichtiges Tastorgan.«

»Der Fuß ist ein wichtiges Tastorgan«Stefan Rammelt, Chirurg

Nicht nur die bekanntlich empfindliche Fußsohle ist sensibel, sondern auch Sehnen, Gelenkkapseln und die Bänder haben Nervenendigungen. Sie enthalten eine Vielzahl von »propriozeptiven« Rezeptoren, die ständig die Lage im Raum wahrnehmen. Die Sensoren verleihen uns eine Art Autopilot – wir machen Schritte so unwillkürlich, wie wir atmen. »Wenn wir ständig aktiv Gleichgewicht und Lagesinn koordinieren müssten, wäre unser Großhirn dermaßen beschäftigt, dass wir gleichzeitig nichts anderes tun könnten«, sagt Regina Riess, Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Chirurgie und Medizin des Fusses.

Wenn Füße Probleme machen, leidet die Lebensqualität

Eine Idee von der Bedeutung der Füße für die Gesundheit liefern Zahlen der Berufsgenossenschaft. Demnach sind Fußprobleme nach Arbeitsunfällen der häufigste Grund für Erwerbsminderungen. »Hat man an der Hand leichte Einschränkungen, lässt sich das im Job oft noch kompensieren«, sagt Markus Walther, Chefarzt und Ärztlicher Direktor an der Schön Klinik München Harlaching. »Aber wenn man körperlich arbeitet, kann man das nicht auf einem Fuß.«

Bei Mehrfachverletzungen nach Unfällen werden Schäden am Fuß laut Studien in einem Drittel der Fälle zunächst übersehen. Dabei belasten sie mitunter ähnlich stark wie Herzschwäche und schwerste Nierenerkrankungen. Und von 250 untersuchten Patienten mit Fuß- und Sprunggelenksschmerzen in Japan hatten 30 Prozent eine Angststörung oder Depression. »Wer Probleme mit den Füßen hat, verliert an Autonomie und Mobilität – das kann die Lebensqualität massiv einschränken«, interpretiert Regina Riess das Ergebnis.

»Wer Probleme mit den Füßen hat, verliert an Autonomie und Mobilität«Regina Riess, Chirurgin

Es gibt also viele Gründe, gut auf seine Füße zu achten. Nur, wie beugt man vor? Die Prävention von Fußerkrankungen beginnt beim Körpergewicht. »Ein Fuß allein trägt das volle Gewicht, denn bei jedem Schritt befindet sich ja ein Fuß in der Luft«, erklärt Rammelt. »Wenn wir Treppen hochgehen, ist es schon das Dreifache des Gewichts, und dabei belasten wir nur den Vorfuß. Beim Rennen ist es noch mehr.«

Es kommen so leicht mehr als 100 Kilogramm Last pro Quadratzentimeter zusammen. Auch das Sprunggelenk, das orthopädisch zum Fuß gezählt wird, ist stark beansprucht. »Es hat eine sehr kleine Fläche, über die das gesamte Körpergewicht in den Fuß geleitet wird«, so Rammelt. »Jedes Kilo mehr erhöht die Belastung – und damit das Risiko für Arthrose.« Arthrose, also der Verschleiß der Gelenkknorpel, kommt insbesondere im Sprung- und Großzehengrundgelenk häufig vor.

Der optimale Schuh für einen fitten Fuß

Das Schuhwerk hat einen starken Einfluss auf die Fußgesundheit. »Ein Schuh darf nach dem ersten Einlaufen niemals Schmerzen verursachen«, sagt Rammelt. »Das ist ein ganz wichtiges Warnsignal, auf das wir hören sollten.« Die Wissenschaft sei außerdem davon abgerückt, gesunde Füße besonders stützen und führen zu wollen, so Markus Walther: »Wir gehen heute davon aus, dass jeder Mensch einen individuellen Bewegungsablauf besitzt.«

»Die Wissenschaft ist davon abgerückt, gesunde Füße besonders stützen und führen zu wollen«Markus Walther, Chirurg

Ungünstig sind – nicht ganz überraschend – Schuhe mit hohen Absätzen. »Bei ihnen ruht sämtliche Last auf einer kleinen Fläche, nämlich auf dem Mittelfußknochen«, warnt Rammelt. »Wenn man dauerhaft Absatz trägt, verkürzt sich außerdem der Wadenmuskel.« Ein weiteres Problem sind spitz zulaufende Schuhe oder generell solche, die vorn sehr eng sind. Die Zehen werden dann zusammengedrückt, und das begünstigt Fehlstellungen wie den Krallenzeh (nach unten gekrümmte Zehen) und den Hallux valgus, bei dem sich die Ballen an der Fußinnenseite vorwölben und die großen Zehen immer schiefer werden (siehe »Fußleiden und wie man sie behandelt«). Zwar ist der Hallux valgus vor allem erblich bedingt, aber durch die Wahl der Schuhe kann man zumindest das Risiko verringern.

»Ich empfehle geräumiges Schuhwerk, sodass die Zehen viel Platz haben und geradeaus schauen können«, sagt Rammelt. »Und im Alltag Absätze, die höchstens einen Zentimeter hoch sind.« Außerdem rät der Experte, im Sommer häufig barfuß zu laufen, auf Wiese und Sand – und »ägyptische Sandalen« zu tragen, mit Steg zwischen erstem und zweitem Zeh. Der Steg wirke dem Hallux valgus entgegen, indem er die große Zehe leicht nach innen drückt und verhindere, dass die zweite Zehe ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wird. Den Effekt habe man auch mit Flip-Flops.

Zum Glück hat sich die Mode der vergangenen Jahre hin zu bequemeren Schuhen entwickelt. Männer und Frauen tragen heute öfter Sneaker, auch bei formellen Anlässen. »Sportschuhe sind definitiv besser für den Bewegungsapparat als High Heels«, sagt Markus Walther.

Barfußlaufen stärkt Sehnen und Gelenke

Fußschmerzen gehen oft mit Dysbalancen, also ungleichmäßig ausgebildeten Muskeln, und verkürzten Sehnen einher. Barfußlaufen ist das beste Training dagegen. So zeigte eine Studie mit 2300 Kindern aus Indien, dass diejenigen, die Schuhe trugen, dreimal häufiger einen Plattfuß entwickelten als Barfußläufer. »Auf die Fußmuskeln wirken feste Schuhe wie ein Korsett – sie verkümmern deshalb«, erklärt Markus Walther.

Barfußlaufen stärkt den Fuß – und schont gleichzeitig die Gelenke, insbesondere beim Joggen. »95 Prozent der Gelegenheitsläufer kommen beim Joggen zuerst mit der Ferse auf«, so Markus Walther. »Wegen der Dämpfung des Sportschuhs können sie in den Boden stampfen, ohne dass ihnen das weh tut.« Trotzdem seien die Gelenke beansprucht. »Beim Barfußrennen setzt man dagegen zuerst den Vorfuß auf, es kommt zu keinem Aufprall der Ferse. Das schont die Gelenke.«

  • Fußleiden und wie man sie behandelt

    Hallux valgus, der Fersensporn sowie Sprunggelenksarthritis gehören zu den häufigsten Fußleiden. Hier erfahren Sie, ob und wie sich vorbeugen lässt und wie man die Beschwerden lindern kann.

  • Hallux valgus (Ballenzeh)

    Die Großzehe neigt sich in Richtung der anderen Zehen, der Ballen wölbt sich vor. Veranlagung und Bindegewebsschwäche gelten als Ursachen, Frauen sind achtmal häufiger betroffen als Männer. Zur Vorbeugung empfiehlt es sich, weite Schuhe zu tragen und aktiv die Zehen zu spreizen. Entsprechend hilft Barfußlaufen. Übungen, am besten angeleitet vom Physiotherapeuten, können etwaige Beschwerden lindern und das Fortschreiten der Erkrankung bremsen – die Fehlstellung lässt sich aber nicht rückgängig machen. Schmerzt das Gehen stark, kann man die Zehen operativ wieder in eine gerade Position bringen.
    Hallux valgus
  • Fersensporn

    Hierbei handelt es sich um eine sehr schmerzhafte Reizung der breiten Sehnenplatte unter der Fußsohle. Die Schmerzen sind auf eine Entzündung in der Verbindung zwischen Sehnenplatte und Fersenknochen zurückzuführen. Durch die Entzündung kann sich dort Kalk ablagern, wodurch sich der Sporn unter der Ferse bildet. Langes Stehen, intensiver Sport, Übergewicht, Fußfehlstellungen und eine Verkürzung der Wadenmuskulatur (zum Beispiel durch hohe Absätze) können die Ursache sein. Dämpfende Fersenkissen im Schuh und Physiotherapie lindern die Symptome; fast immer verschwinden die Beschwerden innerhalb eines Jahres auch ohne Therapie. Liegt eine Verkürzung der Wadenmuskulatur vor, können Dehnübungen helfen. Das schmerzende Areal der Fußsohle läßt sich gut mit einem Golfball massieren, was ebenfalls die Geweberegeneration fördert.
    Fersensporn
  • Fußarthrose

    Knorpelverschleiß am Fuß tritt vor allem am Großzehengrundgelenk und am Sprunggelenk auf. Einlagen helfen dabei, die Belastung zu reduzieren. Wenn das nicht ausreicht, können Operationen Abhilfe schaffen. Für das Sprunggelenk gibt es inzwischen Prothesen, die einer Gelenkversteifung überlegen sind. Letztere ist zwar deutlich haltbarer als eine Prothese, der zentrale Nachteil ist aber die Überlastung der angrenzenden Gelenke, die die Funktion des versteiften Elements teilweise übernehmen müssen. Die Entscheidung, was die beste Lösung ist, muss daher individuell getroffen werden.
    Fußarthrose

Ohne Schuhe ist die Haut allerdings einem Verletzungsrisiko ausgesetzt. Seit einigen Jahren sind deshalb Schuhe auf dem Markt, die den Fuß ähnlich wie beim Barfußlaufen belasten und dabei Schutz bieten. »Für einen Menschen, der sich nie barfuß fortbewegt, sind das Trainingsgeräte«, sagt Markus Walther. »Man muss nach vielen Jahren im normalen Schuh der Muskulatur und den Knochen Zeit geben, sich an die Barfußschuhe zu gewöhnen.« Beim Gehen sei die Beanspruchung deutlich geringer als etwa beim Joggen. Am besten beginne man also damit, sie als Hausschuhe zu verwenden, und erhöhe dann langsam die Tragezeiten.

Wer ohne Gewöhnung an die minimalistisch ausgestatteten Schuhe zehn Kilometer laufe, bekomme meist Probleme. »Bei Sport in Barfußschuhen sind Überlastungen gar nicht so selten, bis hin zu Ermüdungsbrüchen«, sagt Walther.

Eher ungeeignet ist das Barfußlaufen (mit oder ohne Schuh) für Menschen, die Einlagen oder gar orthopädisches Schuhwerk tragen. »Je nach Ursache kann man einen Spreiz-, Senk- oder Plattfuß häufig nicht mit Barfußlaufen kurieren«, sagt Markus Walther. Einlagen in Barfußschuhen sind wenig sinnvoll. »Damit diese funktionieren, muss der Schuh eine gewisse Stabilität mitbringen«, sagt Walther.

Nur ein sauberer Fuß ist ein gesunder Fuß

Für einen gesunden Fuß ist zudem Hygiene wichtig. Manche Menschen schwitzen hier stark, mit bis zu 300 Millilitern pro Tag. »Da braucht es dann Schuhwerk, das luftdurchlässig ist, und Socken, die Schweiß aufsaugen, damit die Füße nicht schwimmen. Auch Puder kann helfen«, erklärt Regina Riess. »Denn warmfeuchtes Klima ist perfekt für Pilze und Bakterien.«

Riess rät auch dazu, Hornhaut regelmäßig zu entfernen, damit Druckstellen und Risse (mögliche Eintrittsstellen für Krankheitserreger) vermieden werden. Diabetiker sollten ihre Füße besonders gut beobachten und pflegen, denn durch hohe Blutzuckerwerte werden Nerven und Blutgefäße geschädigt. Verletzungen bleiben dann oft unbemerkt.

Wann sollte man sich mit Fußproblemen bei einem Arzt vorstellen? »Wenn ich in verschiedenen Schuhen unter Belastung regelmäßig Schmerzen habe«, sagt Markus Walther. »Das ist dann ein Hinweis, dass ein Problem vorliegt, das man weiter untersuchen sollte.«

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  • Quellen
  • Nakagawa, R. et al., Foot Ankle 10.1177/1071100717723133, 2017
  • Saltzman, C. et al., Journal of Bone and Joint Surgery 10.2106/JBJS.F.00295, 2006
  • Van der Vliet, Q. et al., Injury 10.1016/j.injury.2018.04.009, 2018

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