Direkt zum Inhalt

News: Galaktische Röntgenjets im Bilde

Im Sternbild Centaurus sind vor hunderten von Millionen Jahren zwei Galaxien ineinandergeprallt. Die Wucht der Kollision sorgte für die Geburt neuer Sterne und versorgte das Schwarze Loch in der Mitte der größeren Galaxie mit Nahrung. Das Röntgenteleskop Chandra hat eines der Nebenprodukte des Zusammenstoßes fotografiert: ein gewaltiger Röntgenstrahl, der vom Zentrum aus senkrecht zur galaktischen Ebene in das All schießt.
Aus Beobachtungen mit optischen und Infrarotteleskopen wissen Astronomen, daß die Galaxie Centaurus A vor einigen hundert Millionen Jahren mit einer kleinen Spiralgalaxie zusammengestoßen ist. Diesem Ereignis verdankt das superschwere Schwarze Loch im Zentrum des Sternensystems, daß ständig große Mengen an Gas von der Schwerkraft angezogen und unerbitterlich in die Singularität hineingezogen werden. Ein Teil der Materie explodiert jedoch kurz vorher in hochenergetische Jets, die sich fast mit Lichtgeschwindigkeit vom Schwarzen Loch weg bewegen.

Dem Röntgenteleskop Chandra gelang eine außergewöhnlich gute Aufnahme von der Röntgenstrahlung der weggeschleuderten Materie. Außer einem großen Jet, der sich 25 000 Lichtjahre in den Weltraum erstreckt und einem kürzeren "Gegenjet", welcher vermutlich von uns weg in die entgegengesetzte Richtung weist, sind darauf noch viele kleinere Röntgenquellen zu erkennen, die sich um den Kern der Galaxie anhäufen. Gerade die, so hofft Christine Jones vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, werden den Wissenschaftlern über die Entstehung des superschweren Schwarzen Lochs in Centaurus A Auskunft geben können.

Die Auswertung des Bildes wird jedoch noch einige Zeit beanspruchen. Und manche Antworten werfen wieder neue Fragen auf. "Seit zwanzig Jahren versuchen wir zu verstehen, was die Röntgenstrahlung im Jet von Centaurus A aussendet. Jetzt endlich wissen wir, daß die Röntgenemission von extrem energiereichen Elektronen produziert wird, die sich auf Spiralbahnen um magnetische Feldlinien bewegen", sagt Ethan Schreier vom Space Telescope Science Institute. Wie das bei den großen Entfernungen aber im Detail funktioniert, wissen die Forscher nicht. Dieses Rätsel zu lösen, wird eine der zukünftigen Aufgaben von Chandra sein.

Siehe auch

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

  • Quellen

Partnerinhalte