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Klosterleben im Mittelalter: Gebetsstunden nach der Sonnenuhr

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Wenn vor gut 1000 Jahren frühmorgens die ersten Sonnenstrahlen auf das Kloster St. Quirin in Neuss fielen, brach für die Mönche der Arbeitstag an. Diesen begannen sie mit der Laudes, dem Morgengebet. Noch drei Mal sollte die Arbeit in regelmäßigen Abständen durch ein Gebet unterbrochen und mit dem Nachtgebet beendet werden: Das ganze klösterliche Leben war von der Uhrzeit bestimmt – und die wurde in St. Quirin von einer Sonnenuhr gemessen.

Schon in den 1960er Jahren konnten Bruchstücke dieser Uhr geborgen werden. Jetzt haben Archäologen um Tanja Potthoff von der Ludwig-Maximilian-Universität in München das Original nachgebaut.

Der frühmittelalterliche Zeitmesser war halbkreisförmig und aus Kalkstein gefertigt. Noch heute sind auf den Steinfragmenten die Anfangsbuchstaben der lateinischen Stunden erkennbar: Prim, Sekund, Terz, Quart, Quint, Sext, Sept, Oktav, Non, Dezim, Vesper. Die Gebetsstunden Terz, Sext und Non waren durch die Verzierung mit Palmetten besonders hervorgehoben. Diese Einteilung der Tagesstunden hatten schon die Römer am Sonnenauf- und Sonnenuntergang festgemacht: Der "Tag" wurde in zwölf gleiche Stunden eingeteilt, deren Länge deshalb je nach Jahreszeit und Region erheblich variierte. Ungefähr kann die erste Stunde des Tages aber auf 6 Uhr unserer heutigen Zeit umgerechnet werden.

Das Kloster St. Quirin wurde etwa um 900 erbaut und ist heute Teil des Quirinusmünsters in Neuss. Die Sonnenuhr wurde in einem der nachfolgenden Jahrhunderte zerschlagen und zu Konsolen umgearbeitet. Deshalb hatten die Wissenschaftler vom Clemens-Sels-Museum in Neuss die bereits ausgegrabenen Bruchstücke bislang für Überreste römischer Bauteile gehalten. In Europa sind nur noch zwei weitere Sonnenuhren aus dieser Zeit bekannt – der Fund ist also eine echte Seltenheit.

Tabea Rueß

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