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Gebirge: Ein Feuer, wie es Jahrtausende nicht vorkam

Das Ruwenzori-Gebirge im Herzen Afrikas ist eigentlich sehr feucht. Dennoch brannte es dort 2012. Eine Studie zeigt, wie ungewöhnlich dies war.
Berglandschaft mit bewachsenen Hügeln im Vordergrund und steilen, felsigen Gipfeln im Hintergrund. Wolken ziehen über die Berge, während der Himmel teilweise blau ist. Vegetation besteht aus Gräsern und Sträuchern.
Das Ruwenzori-Gebirge in Zentralafrika beherbergt eine einzigartige Flora und Fauna, die nicht an Brände angepasst sind.

Im Jahr 2012 brannte es auf mehr als 40 Quadratkilometern Fläche in den Ruwenzori-Bergen an der Grenze zwischen Uganda und dem Kongo – ein Feuer, das viele Experten komplett überraschte: In diesen Höhenlagen des tropischen Gebirges regnet es durchschnittlich mehr als 3000 Millimeter pro Jahr. Es sollte also zu feucht und zu kühl sein, um größere Brände zu erlauben. Wie außergewöhnlich das Ereignis war, zeigt eine Studie von Andrea Mason von der Brown University in Providence und ihrem Team: Es handelte sich um den ersten Flächenbrand in diesen Höhenlagen seit mindestens 12 000 Jahren, wie die Arbeitsgruppe aus Sedimentbohrkernen lokaler Seen schließen konnte. 

Mason und Co hatten Proben unter anderem aus dem Lake Kopello gezogen, der sich in den Hochlagen um 4000 Meter über dem Meer im Ruwenzori-Gebirge befindet und von ausgedehnten Mooren umgeben ist. Der See dient als Sedimentfalle: Organisches und anorganisches Material wie Pollen, Asche oder Staub wird über Wind oder Regen in das Gewässer gespült und setzt sich dort ab. Über lange Zeiträume kann man daraus die Vegetation oder die ökologischen Bedingungen im Umfeld des Sees ableiten: Eingetragene Asche und Holzkohle etwa deuten auf Feuer im Umfeld hin. Die Ergebnisse der Sedimentproben aus dem See in den Hochlagen verglichen die Wissenschaftler anschließend mit Material aus dem Lake Mahoma in 2700 Metern über dem Meer und damit tieferen Bereichen des Gebirges. 

Die ältesten Sedimentschichten aus dem Lake Kopello stammten aus der Zeit vor 12 000 Jahren und damit vom Ende der letzten Eiszeit, während der auch das Ruwenzori-Gebirge im Gipfelbereich großflächig vergletschert war. Über die Jahrtausende wiesen die Forscher nur sehr geringe Mengen an Holzkohle nach, die in den jüngsten Sedimentschichten sprunghaft anstiegen – als Ergebnis des Feuers 2012: Die Konzentration war 100 Mal größer als in älteren Sedimenten. Feuer gab es also seit der letzten Eiszeit allenfalls sehr kleine bis zu dem Großereignis im 21. Jahrhundert.

In den tieferen Lagen brannte es nach der Eiszeit rund 10 000 Jahre lang nicht, danach traten regelmäßig Feuer auf. Das spiegelt sich auch in veränderter Vegetation wider: Laut der Pollenanalyse wurden die zuvor dominierenden Laubbäume verstärkt durch Bambus und Gräser ersetzt, deren Anteil an den Pollen deutlich zunahm. Archäologische Studien legen nahe, dass vor 2000 Jahren zunehmend Menschen ins Gebirge zogen und dort landwirtschaftliche Flächen mithilfe von Feuer erschlossen. Wie das Feuer 2012 entstand, ist unklar: Es könnte durch ein trockenes Gewitter mit Blitzschlag oder Brandstiftung ausgelöst worden sein, etwa weil ein Lagerfeuer unzureichend gelöscht worden war.

Wie viele andere Hochgebirgsregionen auch erwärmt sich das Ruwenzori durch den Klimawandel überdurchschnittlich stark, gleichzeitig gehen die Niederschläge zurück. Die verbliebenen Gletscher des Gebirges könnten bis 2050 komplett verschwunden sein. Gleichzeitig erhöht sich durch zunehmenden Tourismus die Brandgefahr zusätzlich. Wegen ihrer einzigartigen Flora und Fauna gelten die Berge als Welterbe der Menschheit.

  • Quellen
Mason, A. et al., Nature 10.1038/s41586–026–10511-w, 2026

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