Direkt zum Inhalt

Sternphysik: Geburt eines Riesensterns verfolgt

Gasscheibe um Stern
Über einen Zeitraum von zwei Jahren haben Astronomen die Dynamik der Gasmassen um einen jungen, massereichen Stern im Orionnebel in bisher unerreichter Genauigkeit dokumentiert. Ihre Beobachtungen bestätigen, dass sich diese Riesengestirne wie ihre leichteren Verwandten bilden und Magnetfelder dabei eine entscheidende Rolle spielen.

In einer etwa 1300 Lichtjahre entfernten riesigen Staub- und Gaswolke im Sternbild Orion untersuchten Lynn Matthews vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics und ihr Team tausende Gasklumpen, von denen starke, räumlich eng begrenzte Radiostrahlung ausgeht. In den Spektren dieser so genannten Maser wiesen die Forscher chemische Signaturen von Siliziummonoxid nach. Dies sei ein starkes Indiz dafür, dass sich in dieser Region gerade ein Stern bildet, so die Forscher.

Gasscheibe um Stern | Eine rotierende Scheibe aus heißem Gas und Staub umgibt den Protostern im Orionnebel. Kühleres Gas strömt oben und unten aus, wobei es von Magnetfeldlinien (dünne blaue Linien) geformt wird. Sichtbar gemacht werden konnte die Gasbewegung durch die Radioemission von Siliziummonoxidmolekülen.
Daraufhin richteten sie die Radioteleskope des Very Long Baseline Arrays auf die hellen Strahlungsquellen und verfolgten sie von März 2001 bis zum Dezember 2002. Aus diesen Daten erstellten Matthews und Kollegen nun einen Zeitraffer-Film, der die Bewegungen der Maser und damit der Gasmassen um den Protostern zeigt.

Vermutlich befinde sich der werdende Stern inmitten einer rotierenden Akkretionsscheibe, in der Gas auf das Zentrum einfällt, spekulieren die Forscher. Außerdem ließe der Film erkennen, dass kegelförmige Materiebündel senkrecht zur Scheibe nach außen strömen. Dabei würde Drehimpuls aus dem System getragen und so die Sternentstehung vorangetrieben, erläutern die Forscher.

Sie stellten zudem fest, dass sich die abfließenden Materieströme biegen, wenn sie die Scheibe verlassen. Das deute möglicherweise darauf hin, dass Magnetfelder die Gasbewegungen sehr nahe am Protostern beeinflussen. Ob diese allerdings vom werdenden Stern oder der umwirbelnden Gas- und Staubscheibe stammen, ist noch unklar. Bislang können nicht einmal gänzlich andere Ursachen für die Form der Materiescheibe und -ströme ausgeschlossen werden. (mp)

© L. Matthews, MIT
Gasbewegungen um Protostern
Dieser Film zeigt, wie Gasklumpen vom jungen Protostern wegströmen – über einen Zeitraum von zwei Jahren. Materie, die sich auf uns zu bewegt (blauverschoben) ist grün oder blau dargestellt. Gas, das sich von uns weg bewegt (Rotverschiebung) ist dagegen gelb, orange und rot gefärbt. Der Protostern selbst ist hier nicht sichtbar ist; seine Position ist durch einen roten Punkt und ein Fadenkreuz markiert.

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Partnerinhalte