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Gedächtnis: Besser erinnern dank Hirnstimulation?

Schwache Strompulse über die Kopfhaut verbessern die Merkfähigkeit von älteren Erwachsenen leicht. Doch Neuromediziner warnen: Gegen Demenz wirkt die Methode wohl eher nicht.
Illustration einer Nervenzelle
Neurone geben elektrische Signale weiter.

Eine oberflächliche elektrische Hirnstimulation kann das Erinnerungsvermögen älterer Menschen bis zu einen Monat lang steigern. Zu diesem Resultat kamen Experten der Boston University um Robert Reinhart. Neuromediziner warnen jedoch davor, die Ergebnisse überzubewerten.

Bei der transkraniellen Wechselstromstimulation senden Elektroden auf der Kopfhaut schwache ­Strompulse aus. Die elektrischen Ladungen gelangen durch die Schädeldecke ins Hirn und beeinflussen die Signale der Nervenzellen, was etwa die Langzeit­potenzierung anregt, eine wichtige Grundlage von Lernen und Gedächtnis. Für die neue Studie mussten 150 Senioren zwischen 65 bis 88 Jahren Wortlisten auswendig lernen, während sie eine Elektrodenhaube trugen. Bei der Kontrollgruppe machte der Stimulator zwar eine Menge Krach, es floss aber kein Strom. Die Prozedur wurde an vier aufeinander folgenden Tagen wiederholt.

Bei hochfrequenter Stimulation über dem Stirnhirn verbesserte sich das Gedächtnis für Wörter am Anfang der jeweiligen Listen. Dieser Befund spricht für eine bessere Verankerung im Langzeitgedächtnis. Im Gegensatz dazu förderten niederfrequente Impulse weiter hinten am Schädel die Merkfähigkeit von Wörtern am Ende der Listen. Die Forscher deuten dies als einen Hinweis darauf, dass hier das Arbeits­gedächtnis profitierte.

Eine Leistungssteigerung war allerdings nur dann zu verzeichnen, wenn man zwischen Wörtern am Anfang und am Ende der Listen unterschied; die Erinnerung an ein beliebiges Wort förderte die Stimu­lation nicht. Der Demenzforscher Johannes Levin vom Klinikum der Universität München spricht daher zwar von einem »interessanten Ansatz«, sieht darin aber noch keine neue Behandlungsmöglichkeit für neuro­degenerative Erkrankungen. »Das Gehirn von ­Demenzkranken ist anders als das von Gesunden«, so Levin. Es sei daher falsch, wenn mit solchen Studien die Hoffnung geweckt werde, man könne damit dem kognitiven Verfall entgegenwirken.

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