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News: Gefährlicher Lärm unter Wasser

Ein militärisches Sonar-Gerät zur Ortung versteckter diesel- und nukleargetriebener Unterseeboote könnte im Mittelmeer Wale in den Tod getrieben haben. Nach Ansicht eines Wissenschaftlers wurden die Tiere durch die Ortungsgeräusche in Panik versetzt oder ihr Hörvermögen so stark beeinträchtigt, daß sie an der griechischen Küste strandeten.
Cuviers Schnabelwale, die aussehen wie große Delphine mit einer kleinen Flosse und zwei Vorderzähnen, tauchen normalerweise tief und halten sich selten so nahe am Ufer auf, daß sie Gefahr laufen zu stranden. Seit 1963 wurden weltweit erst sieben Massenstrandungen von vier oder mehr dieser Wale gemeldet. Deshalb war der Meeresbiologe Alexandros Frantzis von der University of Athens und dem National Center for Marine Research in Griechenland besorgt, als am 12. Mai 1996 ein Dutzend Schnabelwale an einem 38,2 Kilometer langen Küstenstreifen des Golfes von Kyparissiakos strandete.

Frantzis untersuchte die Wale, konnte jedoch keine sichtbaren Anomalien oder Wunden entdecken. Ein Blick in ihre Mägen zeigte, daß sie kaum etwas gefressen hatten. Weil im Verlaufe von drei früheren Massenstrandungen von Schnabelwalen auf den Kanarischen Inseln Militärmanöver stattgefunden hatten, versuchte er herauszufinden, ob im fraglichen Zeitraum wieder irgendwelche Marineübungen abliefen. Er stellte fest, daß das NATO-Forschungsschiff Alliance vom 11. bis 15. Mai Versuche mit Low Frequency Active Sonar (LFAS) im Golf von Kyparissiakos durchgeführt hatte. Auf der Grundlage vergangener Strandungen von Cuvier-Walen im gleichen Gebiet berechnete der Wissenschaftler, daß die Wahrscheinlichkeit dafür, daß die Tiere aus anderen Gründen gestrandet sind, weniger als 0,07% betrug. Er vermutete, daß die lauten Geräusche im Zusammenhang mit LFAS die Wale in Panik versetzten oder ihr Hörvermögen beschädigten, das sie zur Navigation benutzen (Nature vom 5. März 1998).

"Das Zusammentreffen [von Manövern und Strandungen] ist äußerst ungewöhnlich und beunruhigend," sagt Hal Whitehead, Meeresbiologe an der Dalhousie University in Halifax, Kanada. Ein Großteil der Daten über LFAS-Studien wurde mit dem Hinweis auf Militärgeheimnisse zurückgehalten, erzählt er, aber die U.S. Marine ist verpflichtet, eine Erklärung zu den Umwelteinflüssen von LFAS herauszugeben – das sollte bald geschehen. "Dies ist der schlüssigste Hinweis, den wir bisher über die negativen Auswirkungen von LFAS auf das Leben im Meer besitzen", sagt Whitehead.

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