Gefahr aus dem All: Menschheit forscht zur Asteroidenabwehr

Sie können Fluch, aber wohl auch Segen sein. Asteroiden können bei einer Kollision mit unserem Heimatplaneten verheerende Schäden anrichten. Eine planetare Verteidigung kann überlebenswichtig sein. Ein Satellit zur Abwehr von Asteroiden ist gerade auf der Zielgeraden. Am internationalen Asteroidentag am 30. Juni hier die wichtigsten Fragen und Antworten.
Was ist der Zweck der Hera-Mission?
Der Satellit Hera ist Teil einer Doppelmission. Im September 2022 krachte mit voller Absicht die NASA-Sonde DART, der Double Asteroid Redirection Test, mit einer Geschwindigkeit von rund 6,6 Kilometern pro Sekunde (das sind etwa 23 700 Kilometer pro Stunde) in den kleineren Mond des Doppelasteroiden Didymos ein. Die US-amerikanische Weltraumagentur NASA, welche die Mission leitete, kommentierte den Einschlag damals so: »Wir brechen jetzt in eine neue Ära der Menschheit auf, in der wir die Möglichkeit haben könnten, uns gegen den Einschlag eines Asteroiden zu schützen.« Der Crash veränderte messbar die Umlaufbahn von Dimorphos – dem Mond des Asteroiden Didymos.
Nach Angaben des Chefkoordinators der Asteroidenabwehr der europäischen Raumfahrtagentur ESA in Darmstadt, Richard Moissl, überraschte die Größe der Staubwolke bei dem Einschlag. Und hier kommt auch die aus dem Kontrollzentrum in Darmstadt gesteuerte ESA-Mission Hera ins Spiel, die im November 2026 an dem Doppelasteroiden ankommen wird. Sie soll Daten zur Beschaffenheit, Dichte, Größe oder Form des Himmelskörpers liefern. »Klassisch würde man erwarten, dass da jetzt ein Krater ist. Könnte aber auch sein, dass er aussieht wie angeknabbert«, sagt Moissl.
Was muss man bei der Asteroidenabwehr beachten?
Es könne sein, dass sich der ganze Asteroid verformt hat, sagt der Asteroidenexperte Detlef Koschny, Professor für lunare und planetare Exploration an der Technischen Universität München. Das sei die spannende Frage. »Wenn ich einen Asteroiden ablenken will, ist das eine ganz kritische Sache.« Es könne passieren, dass zu viel Kraft aufgewendet werde; dann breche er auseinander und werde gar nicht abgelenkt. Die Teile würden dann trotzdem auf die Erde zufliegen.
Sind weitere Erkundungsmissionen zu Asteroiden geplant?
Ja. Die Mission RAMSES, das steht für Rapid Apophis Mission for Space Safety, soll im Jahr 2029 den fast 400 Meter großen Asteroiden Apophis erkunden. Der riesige Brocken, der bei einem Einschlag wahrscheinlich verheerende Folgen hätte, wird am Freitag, den 13. April 2029, in einem Abstand von nur 32 000 Kilometern an der Erde vorbeifliegen. In den Weiten des Sonnensystems ist das fast nichts. Zum Vergleich: Der Mond ist durchschnittlich etwa 384 400 Kilometer von der Erde entfernt.
Der Himmelskörper (433) Eros war der erste erdnahe Asteroid (englisch: near-Earth asteroid, NEA), der außerhalb des Hauptgürtels entdeckt wurde. Der deutsche Astronom Carl Gustav Witt sichtete ihn im Jahr 1898.
»Bei der RAMSES-Mission haben wir jetzt sehr wichtige Meilensteine genommen. Die Industrieverträge sind alle unterschrieben«, resümiert Moissl. »Man will sehen, wie der Asteroid aussieht, bevor er von den Gezeitenkräften der Erde mal richtig durchgeschüttelt wird.« Eine Ablenkung sei absolut nicht geplant. Bei Apophis handelt es sich um einen Asteroiden, der die Erdumlaufbahn kreuzt und bei seiner Entdeckung zunächst als Einschlagskandidat galt.
»Wir hoffen, dass wir während des Vorbeiflugs Veränderungen auf dem Asteroiden sehen können«, so Koschny. Der fliege so nahe vorbei, dass es durch die Gezeitenkräfte Veränderungen auf dem Asteroiden geben könne. Der Brocken sei mit dem bloßen Auge zu sehen, aber ein Einschlag für die nächsten 100 Jahre erst einmal ausgeschlossen.
Was gibt es sonst noch für Pläne?
Asteroiden, die aus Richtung der Sonne auf die Erde zukommen, sind derzeit nur schwer zu erkennen. Laut Koschny gibt es bei der ESA Planungen für ein Infrarotteleskop. »Da geht es eben darum, dass wir Asteroiden, die nahe bei der Sonne stehen, auch anschauen können.« Zudem studiere man gerade zum Beispiel die Methode, mit einem Ionentriebwerk Asteroiden abzulenken. »Das ist ein Gerät, das einfach Ionen aussendet und dadurch die Bewegung des Asteroiden verändern kann.« Ionen sind elektrisch geladene atomare oder molekulare Teilchen.
Sind Asteroiden Fluch oder Segen?
Beides. Asteroiden können verheerende Auswirkungen haben. So könnte ein 10 bis 15 Kilometer großer Brocken für das Aussterben der Dinosaurier mitverantwortlich gewesen sein. Ein etwa 40 bis 50 Meter großer Asteroid ging am 30. Juni 1908 über Sibirien runter und knickte in der Tunguska-Region Millionen Bäume auf einer Fläche fast so groß wie das Saarland um. Mit Blick auf dieses Ereignis riefen die Vereinten Nationen später den Asteroidentag aus, um auf die Gefahren und Chancen durch die Himmelskörper aufmerksam zu machen. Im Februar 2013 explodierte ein 20 Meter großer Himmelskörper über der Millionenstadt Tscheljabinsk. Durch die Druckwelle und splitterndes Glas wurden rund 1500 Menschen verletzt.
Moissl zufolge sind derzeit knapp 42 000 erdnahe Asteroiden in allen Größen bekannt. Erdnah bedeute hierbei, dass sie die Erdumlaufbahn kreuzen könnten. »Ab zehn Metern nehmen wir die Sachen ernst und warnen.« Der allgemeine Konsens sei, dass bei 50 Metern genug Energie da sei, um eine ganze Stadt zu zerstören. Aber: »Zurzeit ist alles ruhig.«
Koschny zufolge gibt es die Idee, dass Asteroiden und Kometen organisches Material auf die Erde gebracht haben. »Also wir gehen jetzt nicht davon aus, dass da irgendwelche Mikroorganismen oder so was direkt auf die Erde gebracht wurden. Aber es sind diese Moleküle, die man braucht, um das Leben auf der Erde zu erzeugen.« 90 Prozent dessen, was man auf der Erde finde, seien natürlich irgendwo da draußen ohnehin schon entstanden. Man vermute auch lange Kohlenstoffketten, die man brauche, um Leben zu bauen.
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