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News: Gefahr vom Handy?

Keine andere technische Neuerung hat sich so schnell durchgesetzt wie das Mobiltelefon. Innerhalb weniger Jahre ist die Zahl der Nutzer allein in Deutschland auf eine siebenstellig Zahl geklettert - und das Interesse hält weiter an. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit verkaufen sich die mobilen Kommunikationszwerge besser als alles andere. Doch wie sieht es mit eventuell lauernden Gefahren des Mobiltelefonierens aus? Zwei Wissenschaftler fassen den aktuellen Stand der Forschung auf diesem Gebiet zusammen.
Sind Handys nun gesundheitsschädlich oder nicht? Die zahlreichen Pressemitteilungen und Studienergebnisse verwirren mehr als sie nützen. Kenneth Rothman vom Epidemiology Research Institute und G. Hyland von der University of Warwick haben einmal einige Forschungsergebnisse zusammengefasst und bieten so einen Überblick über den Stand der Dinge (The Lancet vom 25. November 2000). Rothman fasst dabei statistische Untersuchungen der letzten Jahre zusammen. Auch allgemeinere Untersuchungen zu Radiowellen und deren Einfluss hat er in seine Betrachtung einbezogen. Hyland beleuchtet von biologischer Seite, welche Folgen Mikrowellenstrahlung auf Leben generell haben kann und welche Effekte insbesondere beim Menschen auftreten.

Die meisten Menschen denken vermutlich bei den Gefahren des Mobiltelefonierens direkt an das Risiko, dass sich ein Tumor entwickeln könnte. Tatsächlich ist der Zusammenhang zwischen bösartigen Gewebswucherungen und mobilem Telefonieren nicht nachgewiesen. Es gibt zwar Studien, die ein leicht erhöhtes Risiko bei der Nutzung eines Handys anzeigen, es gibt aber auch genauso viele Arbeiten, die keine signifikante Risikoerhöhung feststellen. Weitere Studien laufen und können laut Rothman vielleicht in Zukunft mehr Licht in die Beziehung zwischen Krebs und der Benutzung eines mobilen Telefons bringen.

Viel deutlicher sind die Ergebnisse, wenn es um das Handy am Steuer geht. Einerlei, ob mit Freisprechanlage oder dem Gerät in der Hand – das Risiko, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden, ist viermal so hoch als bei jemandem, der auf mobile Kommunikation verzichtet.

Frühere statistische Auswertungen, die allgemein die Verträglichkeit von elektromagnetischen Wellen an bestimmten Bevölkerungsgruppen untersuchen, kommen ebenfalls zu keinem einheitlichen Ergebnis. Mal gibt es Anzeichen für ein erhöhtes Risiko einer Krebserkrankung, mal wieder nicht. Das Hauptproblem liegt bei diesen Studien offenbar darin, dass andere Faktoren, wie beispielsweise die Beschränkung auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe, die Ergebnisse verfälschen.

Auf ähnliche Schwierigkeiten stoßen die Forscher, wenn sie den Einfluss von Basisstationen untersuchen wollen. Diese finden sich in ländlichen Gegenden im Abstand einiger Kilometer; in Ballungszentren decken die Stationen gerade mal einen Umkreis von hundert Metern ab und sind deshalb entsprechend zahlreich. Statistische Erhebungen scheitern hier häufig daran, dass andere geographische Faktoren eventuelle Einflüsse der Sendeanlagen überdecken. Nichtsdestotrotz konnten Forscher einen negativen Effekt auf das Leben im Umkreis der Stationen noch nicht nachweisen. Die Leistung liegt zwar bei den Stationen mit 60 Watt deutlich über der maximal abgestrahlten Leistung von zwei Watt eines Handys. Die abgestrahlte Leistung verliert aber schnell an Intensität, sodass ein Handy direkt am Ohr einen wesentlich höheren Beitrag zur Strahlenbelastung liefert.

Schließlich haben Forscher auch die Wirkung von Handys auf Herzschrittmacher geprüft. Hier kommt es wohl tatsächlich in Einzelfällen zu störenden Interferenzen. Je nach verwendetem Mobiltelefon beziehungsweise Schrittmacher äußert sich das in unterschiedlichen Symptomen. Der Effekt tritt allerdings nur auf, wenn sich das Mobiltelefon in direkter Nähe zum Schrittmacher befindet, beispielsweise unbedacht in einer Hemdtasche steckt. Das Handy am Ohr hat keinerlei Auswirkung auf den künstlichen Taktgeber.

Hyland unterscheidet zunächst zwischen thermischen und nicht-thermischen Effekten elektromagnetischer Strahlung. Die Absorption in einem Körper erhöht lokal die Temperatur. Diesen physikalischen Vorgang nutzt eine Küchenmikrowelle beispielsweise gezielt. Hier liegt die eingestrahlte Leistung bei einigen hundert Watt, im Vergleich dazu strahlt ein Handy nur ein hunderstel beziehungsweise ein tausendstel ab. Trotz allem ist die Temperaturerhöhung bei Benutzung eines Mobiltelefons über einen längeren Zeitraum durchaus messbar. Sie beträgt aber in der Regel nicht mehr als ein Grad Celsius, zumindest ist das der Grenzwert, den die Hersteller für noch zumutbar halten. Da die Durchblutung des Gewebes für einen schnellen Temperaturausgleich mit der Umgebung sorgt, erscheint ein thermischer Effekt in diesem Bereich als unkritisch.

Es gibt aber offenbar auch nicht-thermische Auswirkungen von Mikrowellenstrahlung im menschlichen Körper. Das Problem ist hierbei weniger die Intensität als vielmehr die Frequenz der Wellen. Für die beiden GSM-Netze in Deutschland werden Trägerfrequenzen von 900 beziehungsweise 1800 Megahertz genutzt. Allerdings erfolgt die Sendeleistung gepulst, was zu zusätzlichen Frequenzen im Bereich von einigen bis einigen hundert Hertz führt. Im Körper spielen sich teilweise informationsverarbeitende Prozesse mit ganz ähnlichen Frequenzen ab. Es kann so zu Interferenz- oder Resonanzphänomenen kommen. In der Tat konnten Forscher die Auswirkung der Mirkowellenstrahlung von Handys im Elektroenzephalogramm (EEG) nachweisen, mit dem die Hirnaktivität gemessen wird. Bei Probanden, die Handystrahlung ausgesetzt waren, zeigten sich deutliche Abweichungen vom Normalzustand.

Inwieweit die Abweichung kritisch ist, steht allerdings noch nicht fest. Es ist aber beispielsweise bekannt, dass Lichtblitze mit einer Frequenz von 15 Hertz bei manchen Menschen Epilepsieanfälle auslösen können. Der einzelne Lichtblitz alleine ist nicht schlimm, die Abfolge der Blitze mit einer Frequenz, wie sie auch bei bestimmten Prozessen im Gehirn auftritt, birgt erst das Risiko.

In einem letzten Punkt warnt Hyland vor den Gefahren für ganz junge Handynutzer. Ihr Kopf hat in etwa eine Größe, die Resonanz von Mikrowellenstrahlung begünstigt. Außerdem ist der Schädelknochen dünner und damit leichter von Strahlung zu durchdringen.

Die veröffentlichten Arbeiten zeigen, wie komplex die Auswirkung von Mikrowellenstrahlung auf den menschlichen Organismus ist. Die Wissenschaft steht in vielerlei Hinsicht erst am Anfang der Forschung in diesem Bereich. Auch fehlen aufgrund der vergleichsweise neuen Technik Daten aus Langzeituntersuchungen.

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