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News: Gefräßigkeit hinterlässt Spuren im Gehirn

Essen ist so eine Sache. Für manche die schönste Beschäftigung auf der Welt, für andere eine unliebsame Notwendigkeit, die eben erledigt werden muss. Somit ist die Vermutung, dass nicht nur Hungergefühle, absackender Zuckerspiegel oder der unwiderstehliche Duft mancher Speisen uns zur Nahrungsaufnahme animiert, nicht sonderlich überraschend. Einen entscheidenden Einfluss hierauf scheint das Gehirn zu nehmen, wie aktivierte Nervenzellen aus verschiedenen Bereichen des Gehirns zeigen. Beteiligt sind das Geruchszentrum, mit Emotionen koordinierte Areale und höhere Gehirnfunktionen. Also alles doch nur eine Frage des Willens?
Eine wichtige Rolle in der Regulation zwischen Nahrungsaufnahme und Körpergewicht spielt das Hormon Leptin. Das erstmals im Jahre 1994 entdeckte Hormon wird hauptsächlich von Fettzellen produziert und signalisiert den momentanen Körperzustand ans Gehirn. Im Allgemeinen kurbelt eine hohe Fettmenge im Blut die Produktion von Leptin an, während ein Absacken die Bildung senkt. Und je höher die Konzentration des Hormons ist, desto weniger Nahrung wird aufgenommen und umgekehrt. Vermittelt werden diese Effekte, indem sich die Aktivität in bestimmten Nervenzellen verändert, die Informationen an den Hypothalamus senden.

Doch auf welchen Wegen bahnt sich die Nachricht zum Gehirn? Ein Team von Wissenschaftler der Rockefeller University, des Howard Hughes Medical Institute, der Princeton University und der University of California hat diese Spuren nun sichtbar gemacht. Sie statteten ein für Tiere pathogenes Virus mit einem leuchtend fluoreszierenden Farbstoff aus, den sie später im Gehirn der Versuchsmäuse verfolgen konnten. Das verwendete Virus Pseudorabies wandert von einer Nervenzelle zur nächsten, allerdings nur, wenn beide Zellen in direktem Kontakt zueinander stehen, sie also über eine Synapse verbunden sind. Außerdem kreierten die Forscher einen Virusstamm, der sich nur in Zellen vermehrte, die das Protein Cre-Rekombinase in ihrer Proteinausstattung hatten. Dieses umgerüstete Virus injizierten die Forscher direkt in eine Region des Hypothalamus, von der aus sie sich verbreiteten. In mehreren Zeitintervallen untersuchten die Wissenschaftler die Verteilung des leuchtenden Farbstoffs im Gehirn und stellten hierbei die Beteiligung dreier Areale fest. Sowohl im Geruchszentrum, als auch in Bereichen, die für höhere Gehirnfunktionen und Emotionen zuständig sind, ließen sich die bunten Viren nachweisen.

Wenn einem also das Wasser im Munde zusammenläuft, bloß weil man etwas Essbares riecht, senden bestimmte Nervenzellen ganz aufgeregt ihre Botschaften an den Hypothalamus. Und der kann der Nahrungsaufnahme dann nur selten widerstehen. Die Ergebnisse bestätigen die gängige Hypothese, dass höhere Säugetiere ihr Essverhalten bewusst steuern können und nicht nur durch Blutzuckerspiegel und Hormone gelenkt werden. Doch wie viel Willenskraft wir aufwenden, um einer Versuchung zu widerstehen, ist wohl von Tier zu Tier verschieden.

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