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Kognition: Gefühltes Alter beeinflusst Denkleistung

Denkender Sokrates
"Man ist immer nur so alt, wie man sich fühlt" – diesen Satz tragen wohl nicht nur rüstige Rentner vor sich her, die die 65 zwar bereits überschritten haben, aber immer noch fit sind wie 45-Jährige. Markus Schafer und Tetyana Shippee von der Purdue University konnten nun feststellen, dass es wohl wirklich einen Zusammenhang zwischen gefühltem und tatsächlichem Alter gibt – bei den kognitiven Fähigkeiten des Gehirns.

Sokrates | Niemand weiß, ob sich Sokrates jünger gefühlt hat, als es seinem tatsächlichen Alter entsprach. Sicherlich hätte aber auch sein Denkerhirn auf ein positives Selbstbild vorteilhaft reagiert.
Schon im Jahr 1995 befragten Forscher rund 500 Amerikaner zwischen 55 und 74 Jahren, wie alt sie sich körperlich und geistig denn wirklich fühlten: Die Mehrheit schätzte daraufhin ihre Leistungsfähigkeit durchschnittlich so ein, als wären sie zwölf Jahre jünger. Zehn Jahre später wurden diese Menschen im Rahmen der Studie erneut befragt, wie alt sie sich fühlen und wie sie ihre geistigen Leistungen einschätzen. Tatsächlich waren diejenigen zufriedener mit ihren kognitiven Fähigkeiten, die sich 1995 jünger gaben. Umgekehrt bewerteten vor allem Frauen, die damals über stärkere Alterungserscheinungen klagten, als es ihrem Geburtsjahrgang entsprechen sollte, auch die Leistungsfähigkeit ihres Denkorgans als eher schlecht.

"Natürlich spielt das chronologische Alter in diesem Zusammenhang eine Rolle. Das gefühlte Alter beeinflusste die kognitiven Leistungen jedoch deutlich stärker", meint Schafer. Unklar ist den beiden Wissenschaftlern jedoch noch, was das andere stärker fördert: "Steigern Wohlbefinden und Glücksgefühle die Kognition oder trägt geistige Leistungsfähigkeit dazu bei, dass man sich jugendlicher fühlt?"

Markus Schafer sieht das Ergebnis allerdings auch mit gemischten Gefühlen, denn in vielen westlichen Gesellschaften werde Jugend tendenziell überbewertet, was viele ältere Menschen entsprechend unter Druck setzt. Andererseits sorge dieser Wettbewerb dafür, dass sich auch in die Jahre gekommene Menschen häufiger auf Neues einlassen, was wiederum ihre Selbstwahrnehmung und die geistige Leistungsfähigkeit verbessert. Aktiv getestet haben die Forscher ihre Probanden allerdings nicht: Ob Hirne, die sich jung fühlen, auch tatsächlich besser denken, als es ihrem wahren Alter entspricht, muss also noch geklärt werden. (dl)

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